Pokémon hat mich als Kind verzaubert. Es war pure Magie aus Neugier und Entdeckergeist. Doch fast drei Jahrzehnte später stellt sich die Frage: Lebt dieser Zauber noch? Pokémon Legends: Z-A zeigt, wie sehr sich die Reihe verändert hat.
Eine Reihe, die Millionen Kindheiten prägte, wirkt plötzlich müde. Pokémon Legends: Z-A ist zwar erfolgreich, doch Kritiker bemängeln, dass der Zauber verblasst. Selbst die Washington Post urteilt ungewöhnlich hart: „I have never played a game in this series with a world that felt this lifeless.“ Warum stagniert Pokémon, und was ist mit Game Freak passiert?
Ihr sucht ein düsteres Rollenspiel ab 16 Jahren? Dieses JRPG sollte im Oktober 2025 auf keiner Switch 2 fehlen.
Ein Blick zurück: Die Geburt einer Legende
1996 erschien in Japan das erste Pokémon Rot & Grün für den Gameboy. Entwickelt wurden diese Spiele von einem kleinen Team unter Satoshi Tajiri bei Game Freak. Das Prinzip war genial: Sammeln, Kämpfen, Handeln. Alles wurde in eine Welt verpackt, die von Abenteuerlust und Geheimnissen lebte.

Bis heute steht Game Freak hinter der Hauptreihe, unterstützt von The Pokémon Company (Nintendo, Creatures Inc. und Game Freak selbst). Doch während Marken wie Zelda oder Final Fantasy technisch und erzählerisch wuchsen, blieb Pokémon, zumindest visuell, fast stehen.
Außerdem sind die Storys meistens auch nur generisch und kaum tiefgründig. Wenn ihr ein episches Rollenspiel sucht, kann ich euch Xenoblade 2 ans Herz legen, das von Monolith Soft stammt. Hier gibt es übrigens auch Pokémon-Elemente und ein spaßiges Echtzeit-Kampfsystem.
Vom Game Boy zur Switch 2: Stillstand trotz Fortschritt
Seit dem Sprung auf 3D-Grafik (Pokémon X/Y, 2013) kämpft die Reihe mit denselben Problemen:
veraltete Animationen, leere Umgebungen und technische Einschränkungen, die längst nicht mehr zur Marke passen. Auch Pokémon Legends: Z-A (2025) bildet keine Ausnahme. Mit einem Metascore von 79 sieht es auf den ersten Blick nicht übel aus, doch viele Kritiker-Kommentare geben auch die gemischte Resonanz in der Community wieder.

Auf Reddit sind aber auch Spieler, die das Franchise vehement verteidigen. Ein User schrieb kritisch zu einem anderen Fan: Zu sagen, dass Legends Z-A das am besten aussehende und performanteste Spiel aller Zeiten ist, Alter, da muss ich sagen, du bist das Problem, warum das Franchise faul wird.
Viele Redaktionen loben das Konzept, kritisieren aber die Umsetzung. Neben der Washington Post schreibt etwa Dexerto: Pokemon Legends Z-A delivers fast, polished battles in Lumiose City, but limited exploration and shallow side content hold it back from being truly great.
4P.de schrieb dagegen mit einer 90er-Bewertung positiv: With a well-rounded gameplay flow, seamless catching and fighting as well as a smooth performance, Pokémon-Legends: Z-A is the best game delivered by Game Freak in the last ten years.
Pokémon Legends: Z-A – Warum Game Freak keine Zeit für Innovation hat
Game Freak ist, gemessen an der Größe des Pokémon-Franchise, ein erstaunlich kleines Studio. Laut Firmenangaben arbeiteten 2021 rund 167 Mitarbeiter beim Entwickler in Tokio. Trotz Rekordeinnahmen durch das Pokémon-Franchise bleibt das Team überschaubar. Statt das Personal aufzustocken oder kreativ neu zu ordnen, produziert es weiter im gewohnten Rhythmus. Meist folgt alle zwei bis drei Jahre ein neues Hauptspiel. Dieser Druck verhindert Experimente.

Pokémon ist kein Spielprojekt mehr, sondern ein Markenzyklus: Anime, Karten, Merchandise, Mobile-Apps, Events. Ein Release muss also kommen. Dabei ist es egal, ob die Technik bereit ist oder der Inhalt nur mittelmäßig ist. Schließlich verkauft es sich trotzdem wie geschnitten Brot. Und genau da ist der Fehler.
Pokémon Legends: Z-A – Wo bleibt die Atmosphäre?
Pokémon lebt von Gefühl. Nicht Raytracing oder bombastische Effekte, sondern Staunen.
Nicht 4K, sondern die Magie, wenn man einem seltenen Pokémon begegnet. Doch genau dieses Gefühl scheint Z-A und andere Vorgänger nicht mehr zu transportieren. Wenn ein Kritiker von der Washington Post das Wort „lifeless“ wählt, dann ist das mehr als nur Grafik-Kritik. Es wirkt eher so, als hätte das Spiel keine Seele.
Andere Serien wie von Monster Hunter bis Dragon Quest zeigen, dass selbst auf limitierter Hardware stimmige Welten möglich sind. Pokémon dagegen wirkt, als würde es sich auf seinem Namen ausruhen. Warum ist es schwer, ein Pokémon-Spiel zu entwickeln, das grafisch unserer Zeit entspricht und zugleich spannende Quests enthält? Quests, die uns berühren und teilweise erwachsener wirken? Das wäre doch mal eine Maßnahme.
Was passieren müsste
Game Freak steht an einem Scheideweg, könnte man sagen. Wird weiter in kurzen Zyklen produziert, wird die Reihe stagnieren. Doch gäbe man dem Studio mehr Zeit, mehr Personal und mehr Mut, könnte Pokémon mehr werden als jemals war. Uns könnte eine Reise voller Magie, Neugier und kindlichem Staunen erwarten.
Doch ich schätze, dass die Reihe sich nicht weiterentwickelt, solange sie diesen Rückhalt der Masse hat. Es gibt mehr als genug Leute, die fast alles kaufen würden, solange es den Namen trägt. Genauso verhält es sich mit anderen großen Marken, die jedes Jahr fast immer dasselbe herausbringen und trotzdem gekauft werden. So entsteht kein Fortschritt. Oder wie seht ihr es?
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