Quest-Knight blickt auf eine offene Fantasy-Welt voller Fragezeichen-Symbole, die für die Wiederholung moderner Spiele stehen, vor allem im Genre Open-World.

Viele Spiele sind technisch spektakulärer denn je. Und doch bleibt nach dem Abspann immer öfter dasselbe Gefühl zurück: Man hat etwas Solides gespielt, aber kaum etwas wirklich Neues erlebt.

Große Spiele waren einmal Orte der Überraschung. Neue Welten, fremde Regeln und ungewohnte Ideen machten jeden Release zu einer kleinen Entdeckungsreise. Heute wirken viele Blockbuster auf den ersten Blick größer, schöner und aufwendiger. Sie fühlen sich dennoch seltsam vertraut an. Nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil sie sich immer öfter nach bekannten Mustern richten. Besonders Open-World-Spiele zeigen dieses Problem deutlich. Sie bieten viel Raum, aber immer weniger echte Eigenständigkeit.

Wenn Open Worlds nach einer Vorlage gebaut werden

The Witcher 3 gilt zu Recht als eines der prägendsten Rollenspiele der letzten zehn Jahre. Es zeigte, wie lebendig eine offene Welt sein kann, wenn Nebenquests ernst genommen werden, Figuren Tiefe besitzen und Entscheidungen deutliche Folgen haben. Allerdings hatte auch dieses Spiel Kanten, die leider andere Studios bedingungslos übernommen haben. Dazu gehören Karten voller Marker, zahllose Fragezeichen und Beschäftigung um der Beschäftigung willen.

Gerade Ubisoft hat diese Formel perfektioniert. Assassin’s Creed, Far Cry oder Ghost Recon nutzen unterschiedliche Welten und Geschichten, folgen spielerisch aber oft derselben Schablone. Türme aufdecken, Icons abarbeiten, Loot einsammeln, Level steigern. Das fühlt sich kurzfristig vielleicht nicht falsch an, aber es überrascht kaum noch. Die Welt wird zu einer To-do-Liste, nicht zum Abenteuer.

Dabei liegt das Problem nicht in der offenen Welt selbst. Open Worlds können kreativ sein, wenn sie Erkundung, Atmosphäre und erzählerische Entdeckungen in den Vordergrund stellen. Doch wenn sie primär aus Systemen bestehen, die auf Fortschritt und Beschäftigung optimiert sind, verlieren sie ihre Magie. Dann spielt man nicht mehr aus Neugier, sondern aus Gewohnheit.

Spiele: Wo bleibt die echte Überraschung?

Dieses Muster beschränkt sich nicht auf Open Worlds. Auch andere Genres haben ihre eigenen Erfolgsformeln entwickelt. Soulslikes folgen oft derselben Sprache aus Ausweichrollen, Ausdauerbalken und Checkpoints. Shooter, Sportspiele und große Franchises verändern sich meist nur so weit, wie es sicher erscheint. Nichts davon ist per se schlecht. Doch je öfter dieselben Strukturen wiederholt werden, desto mehr stumpft das Gefühl des Neuen ab.

Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck. Große Spiele kosten enorme Summen, also setzen Studios auf bewährte Systeme. Risiko wird vermieden, nicht weil Entwickler ideenlos wären, sondern weil Fehlschläge existenzbedrohend sein können. Das führt zu Produktionen, die handwerklich stark, aber kreativ vorsichtig sind. Dass sich diese Vorsicht auch in der wachsenden Remaster-Welle widerspiegelt, habe ich bereits an anderer Stelle ausführlicher eingeordnet. Genau deshalb schaffen Remaster allein keine Zukunft für Games, sondern konservieren vor allem das, was bereits da ist.

Vielleicht erklärt das, warum viele Spieler sich immer wieder nach Momenten sehnen, die sie wirklich überraschen. Nicht nach noch größeren Karten oder noch mehr Aktivitäten, sondern nach Spielen, die wieder das Gefühl vermitteln, etwas Unbekanntes zu betreten. Große Spiele sind heute oft sehr gut. Aber sie sind zu selten wirklich neu. Denkt ihr ähnlich darüber? Welche Spiele haben in euch etwas Besonderes in den letzten Jahren ausgelöst?

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