Der Chef des Manor-Lords-Publishers kritisiert offen Strukturen im Indie-Publishing und warnt Indie-Entwickler vor problematischen Publisher-Deals.

Tim Bender, CEO des Manor-Lords-Publishers Hooded Horse, äußert sich kritisch zur Rolle vieler Indie-Publisher. Seiner Einschätzung nach sollten Indie-Entwickler Publishing-Deals sehr genau prüfen und im Zweifel sogar auf Self-Publishing setzen.

Wie komplex die Situation für Indie-Entwickler selbst bei großen Erfolgen sein kann, zeigte zuletzt auch Manor Lords. Trotz starker Verkaufszahlen kämpft das Spiel mit strukturellen Problemen, bei denen Impulse aus der Community eine wichtige Rolle spielen.

Deutliche Worte für Indie-Entwickler

Die Aussagen stammen von Tim Bender, CEO des Indie-Publishers Hooded Horse, der unter anderem für den Erfolg von Manor Lords verantwortlich ist. In einem Interview mit PC Gamer äußert sich Bender ungewöhnlich offen über die Strukturen vieler Indie-Verlage. Seiner Einschätzung nach seien zahlreiche Publisher nicht darauf ausgerichtet, Entwickler langfristig zu unterstützen, sondern handelten vor allem opportunistisch.

Bender spricht dabei nicht von Einzelfällen. Er beschreibt ein Geschäftsmodell, bei dem Verlage versuchen, möglichst viele Projekte unter Vertrag zu nehmen, erfolgreiche Titel weiter auszubauen und weniger erfolgreiche Spiele frühzeitig fallen zu lassen. Gleichzeitig würden Einnahmen über sogenannte Recoup-Modelle abgeschöpft, während der tatsächliche Mehrwert für Entwickler gering bleibe.

Kritik richtet sich nicht gegen Publishing an sich

Wichtig ist dabei, dass sich die Kritik nicht pauschal gegen das Publishing-Modell richtet. Bender betont ausdrücklich, dass ein fairer und transparenter Umgang mit Entwicklern entscheidend sei. Bei Hooded Horse lege man Wert auf ethische Zusammenarbeit und langfristige Partnerschaften. Genau diese Haltung vermisst er bei vielen anderen Indie-Publishern.

Seine Aussagen sind daher weniger als Angriff zu verstehen, sondern eher als Warnung. Indie-Entwickler sollten genau prüfen, mit wem sie zusammenarbeiten, welche Vertragsbedingungen gelten und welchen konkreten Nutzen ein Verlag tatsächlich bietet. Blindes Vertrauen könne sich langfristig als problematisch erweisen.

Self-Publishing als realistische Alternative

Sehr deutlich wird Bender beim Thema Self-Publishing. Seiner Einschätzung nach sei es heute für Indie-Entwickler durchaus realistisch, Spiele eigenständig zu veröffentlichen. Digitale Plattformen, technische Tools und direkte Vermarktungsmöglichkeiten hätten die Abhängigkeit von klassischen Verlagen deutlich reduziert.

Im Zweifel rät Bender daher dazu, lieber selbst zu veröffentlichen, statt vorschnell einen Vertrag zu unterschreiben. Diese Einschätzung deckt sich mit ähnlichen Aussagen aus der Indie-Szene, in der immer häufiger über problematische Deals und fehlende Unterstützung durch Publisher gesprochen wird.

Quelle: GamesRadar

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