Geralt von Riva blickt in The Witcher 3 auf eine Burg

Spiele wie The Witcher 3 sind rar, aber es gibt sie. Hier findet ihr Rollenspiele, in denen Entscheidungen echte Konsequenzen haben – und euch genau deshalb nicht so einfach loslassen.

Spiele wie The Witcher 3 sind hauptsächlich aus einem ganz bestimmten Grund für eine bestimmte Spielgruppe angesagt: Sie ziehen euch glaubhaft in eine Welt hinein. Eure Entscheidungen haben spürbaren Einfluss auf das Schicksal der Welt und ihrer Figuren. Wirklich exzellente Rollenspiele vermitteln nicht nur das Gefühl von Tragweite, sie liefern diese Konsequenzen auch tatsächlich. Ihr erlebt andere cineastische Sequenzen, trefft auf andere Charaktere oder seht, wie sich Situationen dauerhaft verändern.

Es gibt auch besondere Alternativen zu Baldur’s Gate 3. Einige dieser Spiele treffen einen ähnlichen Ton, gehen aber bewusst ihren eigenen Weg. Sie setzen andere Schwerpunkte, bleiben dabei aber ebenso konsequent. In der Liste findet sich sogar ein kleiner Geheimtipp, der von vielen Spielern ausdrücklich empfohlen wird.

Spiele wie The Witcher 3 sind Gold für RPG-Spieler

Ich selbst habe The Witcher 3 bereits mehrmals durchgespielt, mit Ausnahme der komplett neuen Version, die ich eines Tages noch nachholen werde. Für mich war das Spiel nicht in jeder Hinsicht ein absolutes Wunderwerk. Ein Feature hätte das Kampfsystem verbessern können, und auch die vielen sinnlosen Fragezeichen in der Welt wirken eher wie Ballast. Ein Problem, das später auch Assassin’s Creed Odyssey und andere Open-World-Spiele übernommen haben.

Trotzdem besitzt The Witcher 3 eine Stärke, die bis heute nur wenige Rollenspiele erreichen: Entscheidungen mit echten Konsequenzen. Diese sind hier keine bloße Show, sondern fühlen sich glaubhaft und organisch an. Die Lore der Welt, die Figuren, die Erzählung und die Macht der Dialoge greifen so sauber ineinander, dass das Spiel bis heute als großes Meisterwerk gilt, und meiner Meinung nach völlig zu Recht. Im Anschluss findet ihr Rollenspiele, die dieses Prinzip ebenfalls ernst nehmen. Einige kennt ihr wahrscheinlich bereits. Ein alter Klassiker ist auch dabei, den ihr unbedingt nachholen solltet, falls ihr ihn verpasst habt.

Baldur’s Gate 3

Baldur’s Gate 3 ist eines der wenigen Rollenspiele, in denen Entscheidungen nicht nur den Tonfall eines Dialogs verändern, sondern den tatsächlichen Verlauf der Geschichte. Ganze Szenen existieren oder existieren nicht, abhängig davon, wie ihr euch verhaltet. Figuren können dauerhaft verschwinden, sterben oder euch später als Verbündete oder Feinde begegnen. Das Spiel baut keine Sicherheitsnetze ein, um euch wieder auf einen vorgesehenen Pfad zurückzuführen.

Richtig auffällig ist, wie früh Baldur’s Gate 3 damit beginnt. Schon im ersten Akt entstehen Zustände, die ihr nicht mehr korrigieren könnt, ohne neu zu beginnen. Bestimmte Charaktere tauchen nur auf, wenn ihr zuvor Entscheidungen getroffen habt, die andere Spieler nie zu Gesicht bekommen. Manche Konflikte eskalieren unumkehrbar, andere lösen sich leise, aber endgültig auf. Das Spiel kommentiert diese Entscheidungen nicht moralisch. Es lässt sie einfach stehen.

Düstere Szene aus Baldur’s Gate 3 – Entscheidungen verändern den Verlauf der Geschichte
Quelle: Larian Studios

Im Vergleich zu The Witcher 3 wirken die Konsequenzen in Baldur’s Gate 3 oft unmittelbarer. Während Witcher-Entscheidungen ihren Nachhall teilweise erst Stunden später entfalten, zeigt Baldur’s Gate 3 schneller, welche Version der Geschichte ihr gerade spielt. Dafür fühlt sich jede Entscheidung wie ein echtes Bekenntnis an. Ihr entscheidet euch nicht für eine bessere oder schlechtere Lösung, sondern für eine andere Welt.

Genau hier liegt die große Stärke des Spiels. Baldur’s Gate 3 zwingt euch, Verantwortung für eure Handlungen zu übernehmen, ohne euch ständig daran zu erinnern, dass ihr gerade eine wichtige Wahl getroffen habt. Ihr lebt mit den Folgen, weil das Spiel sie nicht zurücknimmt. Und genau deshalb gehört es in eine Reihe mit The Witcher 3, wenn es um Entscheidungen mit echten Konsequenzen geht.

Spiele wie The Witcher 3: Dragon Age: Origins

Dragon Age: Origins gehört zu den Rollenspielen, die Konsequenzen nicht nur über große Wendepunkte erzählen, sondern über Verantwortung im Kleinen wie im Großen. Entscheidungen wirken hier weniger wie klar markierte Abzweigungen und mehr wie Weichenstellungen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen bemerkbar machen. Manche Folgen zeigen sich sofort, andere entfalten ihre Wirkung erst deutlich später.

Gerade in einzelnen Szenen erlaubt sich das Spiel eine bemerkenswerte Härte. Ihr könnt gnadenlos reagieren, Macht ausnutzen oder bewusst jede Form von Mitgefühl verweigern. Diese Entscheidungen bleiben nicht abstrakt. Sie führen zu neuen Situationen, verändern den Ton ganzer Szenen und zeigen unmittelbar, wer eure Haltung teilt und wer sie ablehnt. Gefährten reagieren sichtbar auf euer Verhalten. Morrigan etwa respektiert Kälte und Pragmatismus, während andere Begleiter ritterliches oder mitfühlendes Handeln bevorzugen.

Kampf gegen einen Oger in Dragon Age: Origins
Quelle: BioWare

Diese unmittelbaren Reaktionen sind jedoch nur ein Teil des Systems. Dragon Age: Origins merkt sich eure Haltung. Beziehungen entwickeln sich, Loyalitäten verschieben sich und manche Entscheidungen begleiten euch bis ins Finale. Das Spiel zwingt euch nicht dazu, konsequent gut oder böse zu sein, aber es lässt euch die Spannungen zwischen euren Entscheidungen spüren. Genau diese Mischung aus sofortigem Feedback und langfristigen Konsequenzen verleiht den Entscheidungen Gewicht.

Im Vergleich zu The Witcher 3 wirken die Folgen oft direkter und persönlicher. Statt späterer Nachhall dominiert hier das unmittelbare Echo der Spielwelt und ihrer Figuren. Dragon Age: Origins zeigt sehr klar, dass Konsequenzen nicht immer laut sein müssen, um dauerhaft zu wirken.

Umso schmerzhafter ist es, zu sehen, wohin sich die Reihe später entwickelt hat. Dragon Age: The Veilguard hat für mich viele der Qualitäten verloren, die Dragon Age: Origins einst ausgezeichnet haben.

Kingdom Come: Deliverance II

Kingdom Come: Deliverance II bietet in meinen Augen nicht ganz so viel klassische Entscheidungsfreiheit wie The Witcher 3, dennoch könnt ihr hier völlig unterschiedliche Szenen erleben. Bereits im ersten Gebiet der Handlung gibt es eine Situation, in der ihr darüber entscheidet, ob Unschuldige aufgrund eines bloßen Verdachts getötet werden. Entscheidet ihr euch dagegen, überleben bestimmte Charaktere, was zu anderen Dialogen und späteren Begegnungen führt.

Noch wichtiger als einzelne Entscheidungsmomente ist jedoch die Reaktion der Spielwelt. Euer Ruf, euer Auftreten und eure bisherigen Taten beeinflussen, wie euch andere Figuren begegnen. Manche Wege öffnen sich nur, wenn ihr euch zuvor konsequent verhalten habt. Andere verschließen sich dauerhaft, ohne dass das Spiel euch darauf hinweist oder diese Entscheidung besonders hervorhebt.

Kingdom Come: Deliverance II mit Bürgern und Blick auf Burg Trosky.
Quelle: Warhorse Studios

Im Vergleich zu The Witcher 3 oder Baldur’s Gate 3 sind diese Konsequenzen meist weniger inszeniert, wirken aber gerade dadurch glaubwürdig. Kingdom Come: Deliverance II arbeitet kaum mit dramatischen Wendepunkten, sondern mit sozialer Logik. Wer sich widersprüchlich verhält, verliert Vertrauen. Wer sich Vorteile erschleicht, wird misstrauisch beäugt. Wer einmal eine Grenze überschreitet, trägt diese Entscheidung mit sich weiter.

Das Spiel verlangt Aufmerksamkeit und Geduld. Es zwingt euch nicht ständig zu moralischen Dilemmata, sondern lässt euch in einer Welt leben, die auf euer Verhalten reagiert. Genau darin liegt seine Stärke. Wie stark soziale Fähigkeiten in Kingdom Come: Deliverance II wirken, zeigt sich schon früh im Spiel. Mit guter Redekunst sichert ihr euch eines der besten frühen Pferde.

Spiele wie The Witcher 3: Assassin’s Creed Odyssey

Assassin’s Creed Odyssey geht mit Entscheidungen anders um als die meisten klassischen Rollenspiele. Das Spiel verzichtet weitgehend auf tief verzweigte Handlungsbäume oder langfristig veränderte Weltzustände. Stattdessen setzt es auf Entscheidungen, die vor allem auf persönlicher Ebene wirken und genau darin liegt seine besondere Form von Konsequenz.

Viele Quests stellen euch vor Situationen, in denen ihr über das Schicksal einzelner Figuren entscheidet. Diese Entscheidungen sind nicht immer spektakulär inszeniert, aber sie bleiben bestehen. Charaktere können sterben, verschwinden oder euch später anders begegnen, abhängig davon, wie ihr euch verhalten habt. Das Spiel nimmt diese Folgen nicht zurück und bietet selten eine Möglichkeit, sie im Nachhinein zu korrigieren.

Kampfszene aus Assassin’s Creed Odyssey
Quelle: Ubisoft

Besonders deutlich wird das im familiären Kern der Hauptgeschichte. Eure Entscheidungen beeinflussen, welche Beziehungen Bestand haben und wie die Geschichte am Ende ausgeht. Dabei geht es weniger um politische oder weltverändernde Konsequenzen, sondern um Nähe, Vertrauen und Verlust. Odyssey arbeitet bewusst mit emotionaler Wirkung statt mit struktureller Tiefe.

Im Vergleich zu The Witcher 3 oder Baldur’s Gate 3 sind diese Konsequenzen weniger komplex und seltener langfristig miteinander verzahnt. Viele Entscheidungen entfalten ihre Wirkung innerhalb einzelner Questlinien. Dennoch fühlen sie sich ernst gemeint an, weil das Spiel euch die Verantwortung für das Ergebnis überlässt. Ihr trefft eine Wahl und lebt mit dem Resultat, auch wenn es unangenehm ist.

Assassin’s Creed Odyssey zeigt damit eine andere Facette von Entscheidungsfreiheit. Nicht jede Entscheidung verändert die Welt, aber manche verändern Beziehungen unwiderruflich. Und genau das reicht aus, um dem Spiel einen Platz in dieser Auswahl zu geben. Es erinnert daran, dass Konsequenzen nicht immer laut oder weitreichend sein müssen, um Gewicht zu haben.

Fazit

Spiele wie The Witcher 3 sind selten, weil echte Konsequenzen schwer umzusetzen sind. Sie erfordern Mut, Zurückhaltung und die Bereitschaft, Spielern Inhalte vorzuenthalten. Nicht jede Entscheidung muss laut oder spektakulär sein, um Gewicht zu haben. Manchmal reicht es, wenn eine Figur verschwindet, eine Beziehung zerbricht oder eine Situation nie wiederkehrt.

Die hier genannten Spiele zeigen unterschiedliche Wege, mit Konsequenzen umzugehen. Baldur’s Gate 3 arbeitet mit radikaler Verzweigung, Dragon Age: Origins mit langfristiger Verantwortung, Kingdom Come: Deliverance II mit sozialer Glaubwürdigkeit und Assassin’s Creed Odyssey mit emotionaler Bindung. Keines davon kopiert The Witcher 3. Sie teilen lediglich den Anspruch, Entscheidungen ernst zu nehmen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich diese Spiele so nachhaltig einprägen. Sie erinnern daran, dass Rollenspiele dann am stärksten sind, wenn sie uns nicht für jede Wahl belohnen, sondern uns mit ihren Folgen leben lassen. Welche RPGs mit tiefgreifenden Entscheidungen mögt ihr am liebsten? Gibt es Alternativen zu The Witcher 3, die euch sogar noch mehr überzeugt haben?

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