Ein symbolisches Bild zum Thema Spiele wie Gothic. Ein einsamer ohne große Ausrüstung in einer gefährlichen mittelalterlichen Dorfumgebung, mit schemenhaften Gestalten

Spiele wie Gothic sind selten, aber es gibt sie. Welten, die euch am Anfang gnadenlos kleinhalten, keinen Komfort bieten und euch jedes Stück Fortschritt spüren lassen. Genau dieses Gefühl suchen viele Rollenspieler bis heute.

Entweder seid ihr vor über 20 Jahren dem Gothic-Fieber verfallen, oder ihr steht kurz davor. Mit dem bestätigten Release des Gothic Remakes rückt eine Spielphilosophie wieder in den Fokus, die sich bewusst Zeit nimmt und euch nichts schenkt. Wenn das Remake überzeugt, entsteht schnell der Wunsch nach mehr.

Viele der klassischen Vertreter kennt ihr wahrscheinlich längst. Vielleicht lesen hier aber auch RPG-Neulinge mit, die genau dieses raue, ungefilterte Spielgefühl entdecken wollen. Ihr mögt außerdem Rollenspiele mit tiefgreifenden Konsequenzen? Spiele wie The Witcher 3 enthalten wichtige Entscheidungen.

Spiele wie Gothic sind ein Traum für Rollenspieler

Spiele wie Gothic erzeugen eine Immersion, die nur wenige Rollenspiele erreichen. Ihr startet nicht als Held, sondern als Niemand. Ihr seid schwach, unerfahren und oft fehl am Platz. Diese Welten zeigen euch früh, dass ihr noch nichts zu melden habt. Wer unvorbereitet loszieht, bekommt schnell die Grenzen aufgezeigt.

Fortschritt entsteht langsam. Ihr müsst euch entscheiden, welche Gebiete ihr euch zutraut, wem ihr aus dem Weg geht und wo sich Risiko lohnt. Dazu kommt der raue Ton, den viele mit Gothic verbinden: direkte Sprüche, schwarzer Humor und eine Welt, die euch nicht freundlich empfängt. Die Gothic-Alternative Of Ash and Steel ist übrigens für RPG-Fans ideal, die einen ähnlichen Ton mögen. Leider haben die Entwickler es noch unsauber herausgebracht, aber vielleicht ist es später doch etwas für euch, wenn die meisten Probleme behoben sind.

Risen – der wohl naheliegendste Gothic-Erbe

Wenn Spieler nach Spielen wie Gothic suchen, landen sie fast zwangsläufig bei Risen. Nicht nur, weil es vom selben Studio stammt, sondern weil sich viele Designentscheidungen bewusst wie eine Rückkehr zu den Wurzeln anfühlen.

Die Insel Faranga empfängt euch ähnlich abweisend wie einst die Kolonie in Gothic. Ihr startet ohne nennenswerte Fähigkeiten, werdet von stärkeren Gegnern schnell zurechtgewiesen und müsst lernen, wo ihr euch aufhalten dürft und wo besser nicht. Fortschritt ist nichts Selbstverständliches, sondern das Ergebnis von Vorsicht, Lernen und kleinen Erfolgen.

Spielfigur erkundet eine feindselige Waldlandschaft in Risen, geprägt von rauer Atmosphäre und Unsicherheit
Quelle: Piranha Bytes

Typisch für Piranha Bytes ist auch hier die Struktur der Welt. Euch erwartet keine überladene Open World, sondern ein überschaubares Gebiet, das sich Stück für Stück erschließt. NPCs haben klare Rollen, reagieren glaubwürdig auf euren Ruf und eure Entscheidungen, und Fraktionen spielen erneut eine sehr bedeutende Rolle für euren Weg.

Im Vergleich zu Gothic wirkt Risen etwas zugänglicher und technisch runder, verliert dabei aber nicht seinen rauen Kern. Gerade Spieler, die Gothic geliebt haben, finden hier ein vertrautes Spielgefühl wieder. Zwar ist das Spiel ebenfalls ein altes Eisen, aber wenn sich Rollenspieler unter euch vrbergen, die nicht auf die Grafik schauen, werden definitiv ihren Spaß damit haben.

Warum Risen wie Gothic wirkt:

  • langsamer, spürbarer Fortschritt
  • klare Fraktionen und Konsequenzen
  • kompakte Welt statt leerer Weite
  • rauer Ton und direkte NPCs

Wo es sich unterscheidet:

  • weniger soziale Dynamik als in Gothic
  • Hauptstory hat einen klareren roten Faden
  • etwas entschärfte Einstiegshärte

Elex – Gothic-DNA in einer gnadenlosen Sci-Fi-Welt

Elex fühlt sich an wie Gothic, nur unter völlig anderen Vorzeichen. Statt klassischer Fantasy landet ihr auf dem Planeten Magalan. Das ist eine zerrissene Welt aus Technologie, Magie und Endzeitästhetik. Am Kern ändert das jedoch nichts. Ihr beginnt erneut als Niemand, nur finde ich den Protagonisten persönlich spannender als den namenlosen Held. Das liegt vor allem an seiner Hintergrundgeschichte.

Der Einstieg ist brutal. Gegner sind euch klar überlegen, selbst einfache Kreaturen können tödlich sein, und wer planlos loszieht, wird gnadenlos bestraft. Genau dieses Gefühl kennen Gothic-Spieler nur zu gut.

Spielfigur stellt sich in Elex einem gefährlichen Gegner in einer offenen, feindseligen Spielwelt
Quelle: Piranha Bytes

Richtig phänomenal ist erneut das Fraktionssystem. Berserker, Kleriker und Outlaws vertreten völlig unterschiedliche Ideologien, Spielstile und Moralvorstellungen. Eure Wahl beeinflusst nicht nur Fähigkeiten, sondern auch euren Blick auf die Welt. Das Design der Kleriker finde ich übrigens besonders cool, sie wirken wie epische Krieger. Außerdem kann man mit einer speziellen Fähigkeit namens Suggestion andere Leute in Dialogen beeinflussen. Dieser Ansatz ähnelt dem Axii-Skill in The Witcher 3.

Elex verlangt natürlich viel Geduld. Die Steuerung ist etwas sperrig, Kämpfe fordern Eingewöhnung, und Komfortfunktionen sind bewusst reduziert. Wer sich darauf einlässt, wird aber mit einem der letzten großen RPGs belohnt, das euch nicht an die Hand nimmt, sondern erwartet, dass ihr euch behauptet. Leider erzielte der zweite Teil weniger gute Wertungen, was ich nachvollziehen kann. Die Gesichtsanimationen sind alles andere als gut, aber die Verzweigungen der Fraktionen und die Entscheidungen finde ich hingegen sehr gelungen.

Warum Elex wie Gothic wirkt:

  • extrem harter Einstieg ohne Schonung
  • Fraktionen mit klarer Identität und Konsequenzen
  • Welt reagiert spürbar auf euren Fortschritt
  • langsames, verdientes Machtgefühl

Wo es sich unterscheidet:

  • Sci-Fi- und Endzeit-Setting statt klassischer Fantasy
  • Jetpack verändert Erkundung und Kämpfe
  • Die Welt ist größer

Kingdom Come: Deliverance – Gothic-Gefühl ohne Magie

Auf den ersten Blick hat Kingdom Come: Deliverance wenig mit Gothic gemein. Hier gibt es kein magisches Erz, keine Monster und keine fremden Welten. Stattdessen erlebt ihr ein historisch geerdetes Böhmen im 15. Jahrhundert. Doch spielt ihr ein paar Stunden, werdet ihr schnell merken, wie vertraut das Grundgefühl ist.

Auch hier beginnt ihr als Niemand. Heinrich kann weder richtig kämpfen noch lesen, geschweige denn sich in einer feindlichen Welt behaupten. Selbst einfache Banditen stellen eine ernsthafte Gefahr dar, und wer unvorbereitet loszieht, endet schnell am Boden. Ihr müsst euch alles Stück für Stück erarbeiten. Was ich in KCD noch bedeutend besser finde, ist das Learning-by-doing-System. Ihr wachst durch Tätigkeiten wie Lesen, Schwertkampf, Reden in allen sämtlichen Bereichen.

Nahkampf zwischen schwer gepanzerten Soldaten in Kingdom Come: Deliverance bei Dämmerung
Quelle Warhorse Studios

Schön ist glaubwürdige Weltgefühl. NPCs gehen Tagesabläufen nach, reagieren auf euer Auftreten und nehmen euch erst ernst, wenn ihr euch Respekt verschafft habt. Rüstungen, Kleidung und sogar euer Ruf beeinflussen, wie euch die Welt begegnet. Genau diese Konsequenz erinnert stark an das, was Gothic einst ausgezeichnet hat.

Das Kampfsystem gilt als sperrig, ist aber bewusst so angelegt. Wer es meistert, merkt schnell, dass Kämpfe weniger von Reflexen als von Timing, Positionierung und Vorbereitung abhängen. Auch das ist ein Kernprinzip klassischer Gothic-Erfahrungen. Persönlich ist für eines der besten Kampfsysteme auf der Welt, weil es sich real anfühlt. Ihr seid kein Monsterkrieger, sondern ein Mensch.

Warum Kingdom Come wie Gothic wirkt:

  • Start als völlig unerfahrener Charakter
  • glaubwürdige Welt mit klaren Regeln
  • langsamer, spürbarer Fortschritt
  • Respekt muss verdient werden

Wo es sich unterscheidet:

  • historisches Setting ohne Fantasy-Elemente
  • komplexeres, realistischeres Kampfsystem
  • hat starke Simulations-Elemente im Gegensatz zu Gothic
  • auch KCD hat eine größere Welt
  • Das Level-System ist ausgeklügelter

Drova – Forsaken Kin: Gothic aus der Vogelperspektive

Auf den ersten Blick wirkt Drova – Forsaken Kin wie ein klassisches 2D-Rollenspiel mit Pixelgrafik. Doch lasst euch davon nicht täuschen. Unter der Oberfläche steckt erstaunlich viel von dem, was Gothic einst ausgezeichnet hat. Es ist nur verdichtet und aus einer neuen Perspektive erzählt.

Auch hier startet ihr als Niemand. Die Welt ist feindselig, Gegner sind euch klar überlegen, und wer unbedacht loszieht, wird schnell bestraft. Fortschritt entsteht nicht durch bloßes Leveln, sondern durch Erfahrung, Orientierung und das Verständnis der Spielwelt. Genau dieses langsame Herantasten fühlt sich sehr nach Gothic an.

Vogelperspektive auf ein Lager in Drova – Forsaken Kin mit NPCs und rauer Atmosphäre
Quelle: Just2D

Besonders auffällig ist die Konsequenz, mit der Drova seine Welt behandelt. Entscheidungen haben immense Auswirkungen, Fraktionen spielen eine wichtige Rolle, und nicht jeder Konflikt lässt sich sofort lösen. Ihr müsst lernen, wann ihr kämpfen könnt und wann es klüger ist, sich zurückzuziehen. Diese Lernkurve ist einer der Gründe, warum sich das Spiel so befriedigend anfühlt.

Trotz der reduzierten Präsentation gelingt es Drova, Atmosphäre aufzubauen. Die Welt wirkt fremd, geheimnisvoll und nicht darauf ausgelegt, euch zu gefallen. Stattdessen fordert sie Aufmerksamkeit, Geduld und Eigeninitiative. Das sind Werte, die viele moderne RPGs verloren haben. Die Wertungen liegen auf Steam 98 % positiv in einem exzellenten Bereich, aber überzeugt euch selbst. 

Warum Drova wie Gothic wirkt:

  • Einstieg als schwacher Charakter ohne Schonung
  • merkbare Lernkurve statt schneller Machtfantasie
  • Fraktionen und Entscheidungen mit Konsequenzen
  • Welt erklärt sich nicht selbst

Wo es sich unterscheidet:

  • 2D-Perspektive statt Third-Person
  • stärker fokussierte, kompakte Welt

Spiele wie Gothic: Fazit

Spiele wie Gothic sind heute selten, weil sie von Spielern wie von Entwicklern Geduld verlangen. Diese Rollenspiele werfen euch nicht in eine Machtfantasie, sondern zwingen euch, eure Rolle erst zu finden. Spiele wie Gothic müssen kein bestimmtes Genre haben, sondern die Haltung einer harten Welt. Sie nimmt euch nicht ernst, solange ihr euch Respekt nicht verdient habt. Genau dieses Gefühl verbindet Gothic, Risen, Elex, Kingdom Come und Drova bis heute. Wer sich darauf einlässt, erlebt Rollenspiele, die nicht bequem sind, dafür aber lange im Gedächtnis bleiben. Kennt ihr noch andere Spiele wie Gothic? Was sind eure Favoriten?

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