Kleine Spiele können auf Steam schnell zwischen Neuerscheinungen, Sales und großen Namen verschwinden. Eine Änderung auf der Startseite könnte ihnen jetzt deutlich mehr Luft verschaffen. Hooded Horse zeigt mit eigenen Zahlen, wie stark einzelne Titel davon profitieren.
Ein nicht genanntes Indie-Spiel sammelte innerhalb eines Monats 7.341 Store-Aufrufe über Steams Bereich „Discounts & Events“. In den fünf Monaten davor waren es dort zusammen gerade einmal 14. Aus kaum sichtbaren Zahlen wurde plötzlich ein vierstelliger Wert. Hooded-Horse-Chef Tim Bender macht dafür eine stärkere Personalisierung der Steam-Startseite verantwortlich. Valve selbst schweigt bisher zu der Änderung.
Aus 14 Aufrufen werden plötzlich 7.341 auf Steam
Simon Carless von GameDiscoverCo bemerkte, dass kleinere Spiele auf der Steam-Startseite häufiger im Bereich „Discounts & Events“ auftauchen. Carless zufolge werden die dort gezeigten Titel inzwischen stärker an die Interessen des eingeloggten Nutzers angepasst.
Hooded-Horse-Chef Tim Bender nahm daraufhin die eigenen Zahlen unter die Lupe und stieß auf ein extremes Beispiel. Ein kleineres Indie-Spiel kam über diese Steam-Fläche innerhalb von sechs Monaten auf insgesamt 7.355 Aufrufe seiner Store-Seite.
Spannend wird es bei der Verteilung. 7.341 Aufrufe stammen allein aus dem jüngsten Monat. In den fünf Monaten davor kamen zusammen gerade einmal 14 zustande. Fünf Monate lang also praktisch Funkstille, danach mehr als das 500-Fache innerhalb eines Monats.
Welcher Titel hinter diesem Beispiel steckt, verrät Bender nicht.
Selbst winzige Spiele schaffen es auf die Steam-Startseite
Früher begegneten Bender in diesem Bereich vor allem Spiele, die ohnehin schon ordentlich verkauft wurden. Inzwischen tauchen dort auch Titel mit weniger als 100 oder nur wenigen Tausend Steam-Rezensionen auf.
Kurios findet er ältere Dungeons & Dragons-Spiele aus der Gold-Box-Reihe. Einige davon besitzen selbst Jahre nach ihrem Steam-Release weniger als 300 Bewertungen und wurden ihm trotzdem auf der Startseite vorgeschlagen.
Bender zufolge beobachten auch andere kleinere Entwickler ähnliche Sprünge. Eine Traffic-Quelle, die vorher kaum jemanden vorbeischickte, bringt einzelnen Spielen plötzlich mehrere Tausend Store-Aufrufe. Bei größeren Titeln fällt der Effekt kleiner aus. Einer kam im jüngsten Monat auf 14.000 Besuche, nachdem es in den fünf Monaten davor zusammen 6.000 waren.
Für kleine Indies kann das einen gewaltigen Unterschied machen. Ein Spiel, das sonst irgendwo zwischen Neuerscheinungen, Blockbustern und dem 47. Landwirtschaftssimulator verschwindet, landet auf einmal direkt vor den Leuten, die sich wahrscheinlich tatsächlich dafür interessieren.
Valve hat die Änderung bisher nicht erklärt
Valve selbst hat keine neue Empfehlungslogik für diesen Bereich angekündigt. Die Vermutung stammt von Simon Carless und passt zu den Zahlen, die Tim Bender in den eigenen Publisher-Daten sieht.
Bender hält die Entwicklung vor allem für kleinere Studios für hilfreich. Wenn Steam stärker nach den Interessen einzelner Nutzer auswählt, können auch Nischenspiele länger auf der Startseite auftauchen, statt sofort von den üblichen Verkaufsschwergewichten verdrängt zu werden.
Die 7.341 Aufrufe gegenüber 14 in den fünf Monaten davor bleiben trotzdem ein einzelnes Beispiel. Nicht jedes Indie-Spiel bekommt plötzlich einen 500-fachen Besucherregen spendiert.
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Quelle: Tim Bender via LinkedIN

