Auf Steam zeigt sich ein erstaunliches Muster. Nur ein Bruchteil der Spieler sieht jemals das Ende ihrer Spiele. Dazu gehören selbst Giganten wie Elden Ring, Cyberpunk 2077 oder Baldur’s Gate 3. Viele kaufen, starten, staunen und brechen trotzdem irgendwann ab.

Viele Spieler warten jahrelang auf ihren Favoriten. Ihr verfolgt jedes Gerücht, schaut alle Trailer, diskutiert in Foren. Dann kommt endlich der Release-Tag: Ihr ladet es herunter, klickt auf „Starten“ – und die Reise beginnt. Ein paar Stunden später seid ihr mittendrin, verzaubert von Welten, Dialogen, Bosskämpfen. Doch dann, Woche für Woche, verliert sich die Euphorie. Der Alltag kommt dazwischen, ein neues Spiel lockt, die Motivation sinkt. Am Ende bleibt das Savegame auf der Festplatte, unvollendet.

Das ist kein Einzelfall, sondern die Regel. Steam liefert den Beweis. Anhand der Achievements lässt sich klar erkennen, wie viele Spieler tatsächlich bis zum Abspann durchhalten. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Selbst absolute Mega-Hits mit Millionenverkäufen erreichen oft nur Quoten um die 20 bis 30 Prozent. Sieben von zehn Spielern brechen vor dem Finale ab.

Doch warum ist das so? Liegt es an uns Gamern? An der Industrie? Oder gehört genau dieses „Nicht-fertig-Spielen“ inzwischen zum modernen Gaming-Alltag? Beachtet, dass sich die Daten und Fakten jederzeit ändern können. Dennoch ist klar zu erkennen, dass viele nicht bis zum Schluss dranbleiben.

Erfahrt übrigens hier, warum Dragon Age: Veilguard für mich ein ganzes Franchise zerstört hat.

SpielAchievement (Durchgespielt)Abschlussrate
Baldur’s Gate 3All’s Well That Ends Well23,3 %
Elden RingAge of the Stars / Elden Lord / Lord of Frenzied Flame23,7 % / 18,2 % / 10,3 %
Cyberpunk 2077The World36,4 %
The Witcher 3Passed the Trial (Spiel beendet)22,6 %
Red Dead Redemption 2Endless Summer (Epilog abgeschlossen)20,3 %
Hollow KnightThe Hollow Knight / Dream No More20,2 % / 17,5 %

Baldur’s Gate 3: Ein Rollenspiel-Meisterwerk wird kaum beendet

Baldur’s Gate 3 gilt als einer der größten Rollenspiel-Triumphe der letzten Jahre. Preise, Lobeshymnen, unendliche Möglichkeiten. Nur 23,3 % der Spieler haben auf Steam das finale Achievement All’s Well That Ends Well freigeschaltet. Das bedeutet, drei Viertel aller Abenteurer in Faerûn sind nie bis zum Ende gelangt.

Warum? Ein Grund ist offensichtlich: Die schiere Länge. 100 Stunden Spielzeit sind keine Seltenheit. Wer Familie, Job und andere Hobbys unter einen Hut bringen muss, scheitert oft am Zeitfaktor. Gleichzeitig eröffnet das Spiel so viele Nebenquests und Optionen, dass sich viele Spieler einfach in der Welt verlieren, und das Ende aus den Augen verlieren.

Mir ging es ähnlich. Ich war beim finalen Showdown des zweiten Akts und habe den dritten Akt nie gespielt. Dies lag aber auch daran, weil plötzlich andere Dinge für mich Priorität hatten. Unter anderem meine damalige Exfreundin, meine Arbeit und Familie.

Elden Ring: Spiele zwischen Triumph und Frustration

Auch Elden Ring, gefeiert als modernes Meisterwerk, zeigt dieses Muster. Nur 23,7 % haben das „Age of the Stars“-Ende gesehen, noch weniger (18,2 % bzw. 10,3 %) die alternativen Enden.

Hier liegt die Erklärung weniger in der Länge, sondern im Schwierigkeitsgrad. FromSoftware-Spiele sind berüchtigt dafür, Spieler an ihre Grenzen zu treiben. Der erste Bosskampf hat in Elden Ring nur etwa 60 % der Spieler überwunden, fast die Hälfte gab also schon am Anfang auf.

Manchmal ist es nicht die Zeit, sondern die Härte eines Spiels, die uns den Controller beiseitelegen lässt. Wer es doch schafft, feiert das Durchspielen als persönlichen Triumph. Es ist ein Erlebnis, das gerade wegen der niedrigen Quote so besonders wirkt.

Cyberpunk 2077 und The Witcher 3: Die Last der Open-Worlds

Open-World-Spiele gelten als Königsklasse moderner Blockbuster. Riesige Städte, unendliche Quests, hunderte Stunden Content. Doch genau diese Fülle ist oft auch ihr Fluch.

  • In Cyberpunk 2077 haben nur 36,4 % der Spieler das finale Achievement The World freigeschaltet.
  • Bei The Witcher 3 sind es sogar nur 22,6 %, die Geralt bis zum Ende begleitet haben.

Hier zeigt sich ein Problem: Content-Überflutung. Viele Spieler fühlen sich erschlagen von der Fülle der Aufgaben. Man fängt an, Nebenquests zu machen, verliert den roten Faden, und irgendwann bricht man ab. Hinzu kommt: Open Worlds neigen dazu, irgendwann repetitiv zu wirken. Das Abenteuer beginnt episch, aber nicht jeder hält die 60, 80 oder gar 120 Stunden durch.

Ich selbst habe diese beiden Giganten durchgespielt. Klar, es gab einige Längen, aber CD Projekt versteht es, selbst in großen Welten genug Spannung aufzubauen. Es ist schade, dass so viele Spieler nicht durchgehalten haben und damit episches Storytelling verpassen.

Red Dead Redemption 2 und Hollow Knight

Ein weiterer Beleg ist Red Dead Redemption 2: Nur 20,3 % haben den Epilog abgeschlossen, weniger als jeder Fünfte. Dabei gilt RDR2 als eines der besten Spiele aller Zeiten. Aber seine extreme Länge und das gemächliche Tempo schrecken viele ab.

Ganz anders Hollow Knight, ein Indie-Highlight. Nur 20,2 % haben den normalen Endboss besiegt, und beim True Ending sinkt die Quote sogar auf 17,5 %. Hier liegt die Herausforderung nicht in der Länge, sondern im Anspruch, ähnlich wie bei Elden Ring. Hollow Knight ist ein gnadenlos schweres Metroidvania, das Durchhaltevermögen und Präzision fordert.

Warum wir Spiele abbrechen

Das Bild mit dem Quest-Knight stellt die Überfüllung vieler Open-World dar.

Die Zahlen sind eindeutig, aber was bedeuten sie?

  1. Zeitmangel: Das Leben ist voller Verpflichtungen. Ein 80-Stunden-Epos ist schwer in den Alltag einzubauen.
  2. Backlog-Flut: Steam-Sales und Game Pass verführen uns, mehr Spiele zu kaufen, als wir jemals spielen können.
  3. Design-Probleme: Manche Spiele sind schlicht zu gestreckt. Lange Tutorials, Füllquests oder repetitives Gameplay sorgen dafür, dass Spieler abspringen.
  4. Motivationskurve: Oft reicht es, ein Spiel „erlebt“ zu haben, ohne es zwingend zu beenden. Viele wollen die Highlights sehen oder den anfänglichen Hype mitbekommen, nicht die Credits.

Gaming unterscheidet sich nicht grundlegend von anderen Hobbys wie Lesen oder Filme schauen. Auch hier brechen wir manchmal ab, weil die Lust fehlt oder ein anderes Werk interessanter wirkt. Der Unterschied ist vielleicht, dass Spiele oft wesentlich länger und fordernder sind, weshalb der Abbruch schneller passiert. Aber genauso wie bei einem halbgelesenen Buch können auch schon 20 Stunden in einem Spiel unvergesslich sein. Es muss nicht immer bis zum Abspann gehen, damit es uns berührt. Trotzdem muss ich im nächsten Abschnitt etwas Persönliches anmerken.

Die Wahrheit: Darum brechen so viele ihre Spiele ab

Natürlich ziehen sich manche Spiele etwas und der Alltag bremst uns aus. Doch die Wahrheit ist oft eine andere: Viele Entwickler schaffen es nicht, uns langfristig bei der Stange zu halten, oder die falsche Zielgruppe hat überhaupt erst zugegriffen. Häufig schwappt ja ein regelhafter Hype durch die Medien, ähnlich wie gerade bei Hollow Knight: Silksong. Viele Spieler schlagen zu, obwohl es wahrscheinlich gar nicht ihr Genre ist.

Quest-Knight präsentiert den Hype und die Flaute. Spiele bei Steam werden häufig liegengelassen.

Ähnlich war es garantiert auch bei Werken wie The Witcher 3 oder Elden Ring. Mal angenommen, ihr liebt Shooter und zockt meistens PVP-Games. Ein Freund von euch erzählt euch ständig von diesen Open-World-Giganten und ihr bekommt den Drang, es auszuprobieren. Der Anfang reizt euch vielleicht, aber reißt euch nicht dauerhaft mit. So kommt es dazu, dass viele Spiele gekauft wurden, aber nur von einen Bruchteil beenden werden.

Die besten RPGs sind für mich unter anderem Kingdom Come: Deliverance II und Persona Royal 5. Beide dauern ewig, doch die tiefen Charakterentwicklungen und genialen Levelsysteme haben mich von Anfang bis Ende gefesselt. Nur wenige Entwickler vollziehen dieses Kunststück. Deshalb stehen Atlus und Warhorse Studios bei mir hoch im Kurs.

Fazit: Packende Spiele halten uns

Die Achievement-Zahlen auf Steam zeigen schonungslos, dass wir Spieler selten bis zum Abspann durchhalten. Selbst bei großen Giganten wie Baldur’s Gate 3, Elden Ring oder Cyberpunk 2077 bricht die Mehrheit vorher ab. Aber das heißt nicht zwingend, dass die Spiele schlecht sind.

Oft schlagen einfach die Falschen zu: Hype, Empfehlungen von Freunden oder der Drang, „dabei zu sein“ führen dazu, dass wir Games kaufen, die gar nicht zu unserem Geschmack passen. Dann ist es fast logisch, dass viele sie nicht beenden.

Doch wenn ein Spiel wirklich seine Zielgruppe trifft, entfaltet es eine ganz andere Kraft. Dann ziehen uns Charaktere, Welten und Systeme so tief hinein, dass wir bis zum Ende bleiben. Manche Entwickler fesseln uns so locker über 100 Stunden vor dem Bildschirm.

Am Ende geht es also nicht darum, wie viele Spiele wir durchspielen, sondern welche uns so sehr packen, dass wir gar nicht anders können. Und genau diese bleiben in Erinnerung. Habt ihr schon Spiele aufgrund eines Hypes angefangen, oder aus Zeitmangel es einfach nicht beendet? Und welche Giganten haben euch bis zum Ende gefesselt?

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