Early Access kann euch früh in ein spannendes Spiel führen, aber auch in eine jahrelange Baustelle. Vor dem Kauf solltet ihr deshalb nicht nur auf Trailer und Versprechen schauen, sondern auch auf den aktuellen Zustand, das Entwicklerstudio und den Publisher.
Ich habe mit Early Access sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gesammelt. Manche Spiele überzeugten mich schon lange vor ihrer Fertigstellung. Andere boten eine starke Grundlage, aus der die Entwickler am Ende zu wenig machten. Im schlimmsten Fall bleibt ein Projekt unvollendet oder verschwindet vollständig.
Trotzdem würde ich nicht grundsätzlich von Early Access abraten. Begeistert euch ein Konzept und bietet die aktuelle Version bereits genug Spielspaß, kann sich der frühe Einstieg lohnen. Ihr solltet jedoch mit langen Wartezeiten, veränderten Plänen und technischen Problemen leben können. Ungeschnittenes Gameplay, Creator-Videos, Bewertungen und ein Blick auf das Studio helfen bei der Entscheidung.
Übrigens soll in Zukunft Chronicles Medieval im Early Access erscheinen. Das Mittelalterspiel soll Taktik, Third-Person und ein tiefgreifendes Moralsystem vereinen.
Was bedeutet Early Access?
Early Access bedeutet, dass ihr ein Spiel bereits während seiner Entwicklung kaufen und spielen könnt. Die angebotene Version muss spielbar sein, ist aber noch nicht vollständig fertig. Inhalte können fehlen, Systeme werden möglicherweise überarbeitet und Fehler gehören je nach Entwicklungsstand dazu.
Dabei handelt es sich weder um eine Vorbestellung noch um den früheren Zugang, den manche Deluxe Editionen wenige Tage vor dem regulären Release anbieten. Early Access soll Entwicklern ermöglichen, ihr Spiel gemeinsam mit der Community weiterzuentwickeln und Rückmeldungen in die Arbeit einfließen zu lassen.
Eine spätere Veröffentlichung als fertige Version ist trotzdem nicht garantiert. Steam weist Entwickler darauf hin, keine sicheren Versprechen über kommende Inhalte oder den Abschluss der Entwicklung abzugeben. Käufer sollten ein Early-Access-Spiel deshalb nach seinem aktuellen Zustand beurteilen und nicht allein auf eine Roadmap vertrauen.
Kauft ein Early-Access-Spiel für das, was es bereits bietet
Vor dem Kauf solltet ihr euch eine einfache Frage stellen: Würde mir das Spiel auch dann genug bieten, wenn für längere Zeit keine großen Inhalte dazukommen?
Lautet die Antwort Ja, spricht grundsätzlich nichts gegen den frühen Einstieg. Ein interessantes Konzept, eine unterhaltsame Spielschleife oder viele vorhandene Inhalte können den Kauf rechtfertigen. Ihr unterstützt damit das Projekt und erlebt möglicherweise über Monate oder Jahre, wie es weiterentwickelt wird.
Schwieriger wird es, wenn euch hauptsächlich angekündigte Funktionen begeistern. Roadmaps können sich verändern, Inhalte kleiner ausfallen oder vollständig verschwinden. Auch ein genannter Zeitraum für die fertige Version bleibt zunächst nur eine Planung.
Der Preis sollte ebenfalls nicht allein entscheiden. Manche Spiele werden bis zum vollständigen Release teurer, andere behalten ihren Preis oder landen später in Rabattaktionen. Ein günstiger Einstieg lohnt sich nur, wenn ihr mit der bereits vorhandenen Version etwas anfangen könnt.
Schaut euch das Entwicklerstudio und den Publisher an
Ein präziser Blick auf die Menschen und Unternehmen hinter dem Spiel hilft dabei, das Risiko einzuschätzen. Prüft, ob das Studio bereits andere Projekte veröffentlicht hat und wie es dort mit Updates, Problemen und der Community umgegangen ist.
Ein unbekanntes Entwicklerteam ist nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Viele erfolgreiche Spiele stammen von kleinen oder neuen Studios. Dann werden regelmäßige Patchnotes, erkennbare Fortschritte und eine offene Kommunikation umso wichtiger. Werden über Monate nur neue Versprechen veröffentlicht, während Verbesserungen ausbleiben, wäre ich vorsichtig.
Auch ein erfahrener Publisher kann Vertrauen schaffen. Er kann ein kleines Studio bei Finanzierung, Organisation und Vermarktung unterstützen. Eine Garantie für eine erfolgreiche Entwicklung ist ein bekannter Name nicht.
Entscheidend bleibt, wie Studio und Publisher bisher gearbeitet haben und ob ihre Aussagen zum tatsächlichen Fortschritt des Spiels passen.
Trailer allein reichen für die Entscheidung nicht aus
Ein guter Trailer kann euch für ein Spiel begeistern, zeigt aber meistens nur ausgewählte Szenen. Technische Probleme, fehlende Inhalte oder eintönige Abläufe lassen sich daraus kaum erkennen. Schaut euch deshalb vor dem Kauf längere Spielszenen an, die nicht stark geschnitten wurden.
Creator-Videos und Streams vermitteln häufig einen besseren Eindruck davon, wie weit die Entwicklung wirklich ist. Achtet nicht nur auf die Grafik oder einzelne Funktionen. Interessanter ist, ob die vorhandenen Systeme bereits sinnvoll funktionieren und wie viel Abwechslung das Spiel nach mehreren Stunden bietet.
Auch die Bewertungen auf Steam können helfen. Schaut euch neben den positiven Stimmen die negativen Rezensionen an. Einzelne wütende Kommentare sagen wenig aus. Wiederholen sich jedoch Berichte über seltene Updates, schlechte Kommunikation oder seit Monaten bekannte Fehler, solltet ihr genauer hinsehen.
Manor Lords zeigt für mich die gute Seite von Early Access
Mit Manor Lords habe ich bisher gute Erfahrungen gesammelt. Das Spiel war bei meinem Einstieg noch nicht vollständig, aber sein Grundgerüst konnte mich bereits überzeugen. Der Städtebau, die mittelalterliche Atmosphäre und die taktischen Schlachten reichten für mich aus, um mit fehlenden Funktionen leben zu können.
Hinter dem einstigen Soloprojekt von Greg Styczeń steht mit Hooded Horse außerdem ein Publisher, der mehrere Strategie- und Simulationsspiele betreut. Manor Lords erschien am 26. April 2024 im Early Access und befindet sich immer noch in Entwicklung.
Der Publisher war für mich trotzdem nicht der alleinige Kaufgrund. Entscheidend war, dass ich bereits mit der vorhandenen Version Spaß haben konnte. Selbst wenn ein größeres Update länger auf sich warten lässt, habe ich nicht das Gefühl, nur für ein Versprechen bezahlt zu haben.
Trotz des Lobs musste ich das Strategiespiel auch in der Vergangenheit ein wenig kritisieren. Manor Lords hat ein Endgame-Problem. Aber eine Community-Idee zeigt den Ausweg.
Nether erinnert mich an die Risiken
Mit Nether habe ich die andere Seite erlebt. Das Survival-Spiel hat mir und meinen Freunden damals richtig viel Spaß gemacht. Die gefährliche Welt und unsere gemeinsamen Erlebnisse hatten Potenzial, doch aus meiner Sicht machten die Entwickler zu wenig daraus.
Nether wurde für mich zu einem Beispiel dafür, dass Spielspaß im Early Access keine erfolgreiche Zukunft garantiert. Ein Projekt kann eine gute Grundlage besitzen und trotzdem an Problemen, falschen Entscheidungen oder einer fehlenden langfristigen Richtung verlieren. Die ursprünglichen Server wurden später abgeschaltet. Eine folgende Fassung namens Nether: Resurrected führte unter anderem einen Einzelspielermodus und von Spielern betriebene Server ein.
Den Kauf bereue ich nicht vollständig, weil wir mit dem Spiel eine unterhaltsame Zeit hatten. Trotzdem blieb das Gefühl, dass wesentlich mehr möglich gewesen wäre. Wer im Early Access kauft, sollte daher akzeptieren können, dass ein Spiel seine Versprechen nicht erfüllt oder nie die erhoffte fertige Version erreicht.
Bei einem Online-Spiel fällt dieses Risiko größer aus. Werden Server abgeschaltet, können Funktionen oder große Teile des Spiels verschwinden. Bei einem lokalen Einzelspiel bleibt meistens zumindest die gekaufte Version spielbar.
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Diese Risiken solltet ihr vor dem Kauf kennen
Auch ein vielversprechendes Early-Access-Spiel kann sich anders entwickeln als ursprünglich angekündigt. Funktionen verschwinden aus der Roadmap, Updates verspäten sich oder das Studio verändert wichtige Systeme. Im schlechtesten Fall endet die Entwicklung vor der vollständigen Veröffentlichung.
Mit diesen Risiken solltet ihr rechnen:
- Die Entwicklung kann mehrere Jahre dauern.
- Geplante Inhalte können kleiner ausfallen oder gestrichen werden.
- Updates können Spielstände beschädigen oder einen Neustart erfordern.
- Technische Fehler und unausgereifte Systeme gehören häufig dazu.
- Der Preis kann bis zur fertigen Version steigen.
- Eine vollständige Veröffentlichung ist nicht garantiert.
Auch lange Wartezeiten werden schnell unterschätzt. Manche Spieler kehren nach jedem größeren Update zurück und verfolgen gern, wie sich ein Projekt verändert. Andere verlieren nach einigen Monaten das Interesse oder möchten eine Geschichte nur einmal vollständig erleben. In diesem Fall kann es besser sein, bis zur fertigen Version zu warten.
Für wen lohnt sich Early Access?
Early Access passt vor allem zu Spielern, die ein unfertiges Projekt bewusst begleiten möchten. Ihr solltet Freude daran haben, neue Systeme auszuprobieren, Veränderungen zu verfolgen und gelegentliche Fehler zu akzeptieren.
Der frühe Kauf kann sich lohnen, wenn:
- euch die aktuelle Version bereits genug Spielspaß bietet
- ihr mit technischen Problemen umgehen könnt
- ihr nicht auf eine vollständige Geschichte angewiesen seid
- ihr Updates und neue Inhalte gern über längere Zeit verfolgt
- euch ein möglicher Neustart nicht stört
- ihr das Studio schon früh unterstützen möchtet
Für mich muss nicht jede Funktion bereits vorhanden sein. Die bestehende Spielschleife sollte aber schon genug bieten, damit sich der Kauf nicht nur wie eine Wette auf die Zukunft anfühlt.
Wann solltet ihr besser auf die fertige Version warten?
Wartet lieber, wenn euch technische Fehler schnell den Spaß nehmen oder ihr nur selten zu einem Spiel zurückkehrt. Das gilt auch, wenn ihr eine vollständige Handlung erleben möchtet und keine Lust auf größere Änderungen während des Spielens habt.
Skeptisch solltet ihr werden, wenn ein Studio mit vielen großen Versprechen wirbt, aber kaum längeres Gameplay zeigt. Weitere Warnzeichen sind seltene Patchnotes, widersprüchliche Aussagen und lange Phasen ohne erkennbare Fortschritte.
Lasst euch außerdem nicht allein von einem vermeintlich günstigen Einstieg unter Druck setzen. Wartet ihr bis zur fertigen Version, stehen mehr Bewertungen und genauere Informationen zum tatsächlichen Umfang bereit.
Möchtet ihr ein Projekt wachsen sehen und könnt mit Unsicherheit leben, kann Early Access eine spannende Erfahrung sein. Erwartet ihr dagegen ein ausgereiftes Spiel ohne größere Baustellen, ist Geduld meistens die bessere Wahl.
Diese Fragen solltet ihr euch vor dem Kauf stellen
Bevor ihr ein Early-Access-Spiel kauft, lohnt sich ein letzter kurzer Check. Je mehr Fragen ihr mit Ja beantworten könnt, desto geringer ist die Gefahr, dass der Kauf später enttäuscht.
- Macht euch die aktuelle Version bereits Spaß?
- Gibt es längeres und möglichst ungeschnittenes Gameplay?
- Kommuniziert das Entwicklerstudio regelmäßig?
- Erscheinen nachvollziehbare Updates und Patchnotes?
- Werden Probleme und Verzögerungen offen angesprochen?
- Besitzt das Studio bereits Erfahrung mit anderen Spielen?
- Steht ein vertrauenswürdiger Publisher hinter dem Projekt?
- Könnt ihr mit Fehlern, Änderungen und möglichen Neustarts leben?
- Wärt ihr mit dem Kauf auch zufrieden, wenn das Spiel nie vollständig fertig wird?
Gerade die letzte Frage ist entscheidend. Early Access lebt von Zukunftsplänen, aber bezahlt wird für die Version, die bereits erhältlich ist.
Fazit: Early Access kann sich lohnen, bleibt aber ein Risiko
Ich würde nicht grundsätzlich davon abraten, ein Spiel im Early Access zu kaufen. Manor Lords hat mir gezeigt, dass schon eine unfertige Version viele Stunden Spaß bereiten kann, wenn das Grundgerüst stimmt. Nether erinnert mich dagegen daran, dass ein gutes Konzept und unterhaltsame erste Stunden keine erfolgreiche Zukunft garantieren.
Entscheidend ist für mich nicht allein, was ein Spiel irgendwann werden soll. Die aktuelle Version muss mich bereits überzeugen. Studio, Publisher, Updates und die bisherige Kommunikation helfen bei der Einschätzung, bleiben aber keine Garantie.
Begeistert euch das Konzept und könnt ihr mit langen Wartezeiten und möglichen Änderungen leben, kann sich der frühe Einstieg lohnen. Erwartet ihr ein vollständiges und verlässliches Spielerlebnis, solltet ihr besser bis zum regulären Release warten. Mehr aktuelle Gaming-Themen findet ihr auch auf meinem YouTube-Kanal Quest Knight. Dort teile ich News, Shorts und persönliche Eindrücke zu Spielen, die mich gerade interessieren.
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