Beast of Reincarnation führt Game Freak weit weg von Pokémon. Die spezielle Reise mit Emma und ihrem Hund Koo findet zum Start jedoch nur bei knapp der Hälfte der Steam-Käufer Anklang. Ja, es ist nicht wirklich überragend.
Game Freak verknüpft man seit Jahrzehnten vor allem mit Pokémon. Mit Beast of Reincarnation wagt sich das Studio nun an ein düsteres Action-RPG, das eher an Sekiro, NieR und moderne Final-Fantasy-Teile erinnert. Ich habe es selbst begrüßt, dass das Studio aus seiner Schale ausbricht und etwas Neues wagt. Außerdem wäre es schön, wenn sie die Pokémon-Spiele eines Tages auch grafisch und von der Handlung her aufwerten wüden. Der Ausflug ins postapokalyptische Japan wird von der Presse übrigens wohlwollend aufgenommen. Unter den Käufern auf Steam fällt das erste Urteil aber wesentlich gespaltener aus. Nur knapp jeder zweite Nutzer empfiehlt das Spiel derzeit weiter.
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Auf Steam reicht es vorerst nur für ein ausgeglichenes Urteil
Zum Zeitpunkt meiner Prüfung fallen 52 Prozent von 758 gewerteten Steam-Rezensionen positiv aus. Die Plattform fasst das bisherige Ergebnis deshalb als „Ausgeglichen“ zusammen. Die Bewertungsbasis wächst am Veröffentlichungstag schnell und kann sich in den kommenden Stunden noch verändern. Für den ersten Eindruck ist die nahezu exakte Teilung dennoch bemerkenswert.
Auch ein Blick auf sämtliche abgegebenen Rezensionen zeigt die unterschiedlichen Reaktionen. Steam zählt aktuell 1.031 Beiträge, von denen allerdings nur 758 von direkten Steam-Käufern in die Gesamtwertung einfließen.
Hinter dem Projekt steckt tatsächlich Game Freak. Veröffentlicht wird es jedoch nicht von Nintendo oder The Pokémon Company, sondern von Fictions. Das Spiel bezeichnet sich selbst als Action-RPG für „eine Person und einen Hund“.
Die Handlung führt nach Japan im Jahr 4026. Ihr begleitet Emma, die wegen eines Fluchs von anderen Menschen gemieden wird, und den ebenfalls von der Verderbnis gezeichneten Hund Koo. Beide ziehen durch eine zerstörte Welt, in der wie aus dem Nichts gewaltige Wälder aus dem Ödland hervorbrechen. Schon allein wegen dieser skurrilen Beschreibung würde ich sagen: Her damit! Liegt aber auch daran, weil ich eine Schwäche für Soulslikes und Endzeitspiele habe. Jeder, der meinen Blog schon eine Weile verfolgt, weiß das nur zu gut.
Im Kampf setzt Emma übrigens ihre Klinge ein, während ihr Koo Befehle für extravagante Fähigkeiten erteilt. Game Freak verwebt also direkte Angriffe, Ausweichmanöver und Paraden mit taktischen Elementen, bei denen das Geschehen zeitweise verlangsamt wird. Ausrüstung, Fähigkeitenbäume und Geiststeine erlauben unterschiedliche Spielweisen.
Kamera und Technik verärgern einen Teil der Spieler in Beast of Reincarnation
Ein häufiger Kritikpunkt in den Steam-Rezensionen betrifft die Kamera. Spieler bemängeln ein sehr enges Sichtfeld, ungünstige Winkel und Schwierigkeiten, bei mehreren oder besonders großen Gegnern den Überblick zu behalten. Eine eigene Einstellung für das Sichtfeld fehlt offenbar.
Andere Käufer stören sich an der Bilddarstellung. Genannt werden starke Unschärfe, Filmkorn, chromatische Aberration, aufploppende Details und ausgewaschene Farben. Ein Nutzer berichtet sogar von überraschenden Bildrateneinbrüchen auf einer GeForce RTX 5090. Solche Einzelberichte belegen allerdings kein allgemeines Problem auf jeder Hardware. Andere Rezensionen beschreiben die PC-Leistung als ordentlich oder problemlos.
Die offiziellen Systemanforderungen erklären zumindest einen Teil der Skepsis. Selbst für 1080p und 60 Bilder pro Sekunde nennt Game Freak eine RTX 3060 oder RX 6700 XT und setzt dabei DLSS beziehungsweise FSR im Performance-Modus voraus. Bereits die niedrigste Vorgabe für 1080p und 40 Bilder pro Sekunde rechnet mit Hochskalierung.
Nicht alle negativen Stimmen drehen sich um die Technik. Eine ausführlichere Rezension kritisiert, dass Gegner, Angriffsmuster und Abläufe über viele Stunden zu ähnlich bleiben. Auch die Erkundung und die Entwicklung der Spielfigur würden demnach nicht genügend Abwechslung bieten.
Auf der anderen Seite erhalten gerade die Kämpfe viel Lob. Positive Nutzermeinungen heben das gut erkennbare Parierfenster, die Kombination aus Emmas Angriffen und Koos Fähigkeiten sowie die Bewegungsfreiheit hervor. Selbst manche Spieler, die sich an Kamera oder Grafik stören, beschreiben das eigentliche Kampfsystem als unterhaltsam.
Beast of Reincarnation: Die Presse urteilt milder als die Steam-Käufer
Bei den professionellen Tests landet Beast of Reincarnation nicht in der Spitzengruppe, aber deutlich oberhalb eines Verrisses. Die PlayStation-5-Fassung steht auf Metacritic aktuell bei 73 Punkten aus 52 Kritiken. Auf dem PC erreicht das Action-RPG 72 Punkte bei 27 erfassten Tests. Metacritic ordnet beide Ergebnisse als durchwachsen beziehungsweise durchschnittlich ein.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Redaktionen fallen groß aus. GamesRadar vergibt 90 Punkte und lobt die anspruchsvollen, aber fairen Kämpfe sowie die Möglichkeiten beim Zusammenstellen einer eigenen Ausrichtung. Vice geht mit 95 Punkten sogar noch höher und sieht gerade in der Mischung aus Echtzeitaktionen und taktischen Befehlen die große Stärke des Spiels.
Andere Tests sehen deutlich mehr Probleme. 4P.de landet bei 75 Punkten. Die Redaktion hebt Mobilität, Kämpfe und Anpassungsmöglichkeiten hervor, kritisiert aber technische Schwierigkeiten und einen zu stark eingeschränkten Aufbau.
Noisy Pixel vergibt nur 60 Punkte. Dort fallen vor allem das ungleichmäßige Erzähltempo, wiederholte Umgebungen, eine begrenzte Gegnervielfalt und wenig ausgearbeitete Rollenspielsysteme negativ auf. ComicBook geht mit 50 Punkten noch tiefer und sieht ein Abenteuer, dessen gute Ideen durch umfangreiche Kürzungen und Überarbeitungen besser zur Geltung gekommen wären.
Auch The Verge beschreibt ein ähnliches Bild. Die Kämpfe und Atmosphäre kommen gut an, während sich das Spiel bei seinen Vorbildern bedient und weder seine Welt noch die Geschichte immer ausreichend ausarbeitet.
Ein Fehlstart ist noch nicht für Beast of Reincarnation entschieden
Die ersten Reaktionen für Beast of Reincarnation zeigen kein einheitlich schlechtes Spiel. Vielmehr treffen starke Kämpfe, ein Hauptduo der anderen Art und eine interessante Welt auf technische Schwächen. Obendrein gibt es eine problematische Kamera und Zweifel an der Abwechslung.
Insbesondere auf Steam sollte sich die Bewertung noch verschieben, sobald mehr Käufer mehrere Stunden gespielt haben. Derzeit steht Beast of Reincarnation jedoch genau zwischen Empfehlung und Ablehnung. Für ein neues Großprojekt der Pokémon-Macher ist das ein holprigerer Auftakt, als Game Freak wahrscheinlich erhofft hatte.
Habt ihr Beast of Reincarnation bereits ausprobiert oder wartet ihr nach den ersten Reaktionen lieber auf Updates? Mehr Gaming-Inhalte von Quest Knight findet ihr auch auf YouTube. Dort teile ich News, Shorts und persönliche Eindrücke zu aktuellen Spielen, die mich gerade beschäftigen.
Quelle: steamcommunity und Metacritic
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