GTA 6 mit Jason und Lucia

Rockstar hat knapp 27 Minuten GTA 6 auf den Tisch gekippt und dabei einen ganzen Sack neuer Details ausgeschüttet. Zwischen Schießereien, Polizeistress, Fahrzeugen und dem Chaos mit Jason und Lucia verstecken sich einige Mechaniken, die im ersten Durchlauf leicht untergehen. Ich habe das Gameplay zerlegt und die interessantesten Fundstücke eingesammelt.

Rockstar hat sich lange Zeit erfolgreich davor gedrückt, uns GTA 6 wirklich beim Spielen zu zeigen. Mit Grand Theft Auto VI: An Extended Look ist damit Schluss. Das rund 27 Minuten lange Video besteht laut Rockstar komplett aus Ingame-Material und wurde auf einer PlayStation 5 aufgenommen.

Mein erster Eindruck kann sich sehen lassen. Vor allem die Gesichtsanimationen und Bewegungen der Figuren wirken schon jetzt natürlich. Vice City bekommt dazu eine Beleuchtung spendiert, bei der manche Straßenecke fast schon frech gut aussieht. Nur Jasons englische Stimme dürfte für meinen Geschmack noch etwas mehr Pfeffer vertragen. Nach 27 Minuten mit offenem Mund ist das aber eher Jammern auf sehr hohem Niveau.

Spannender wird es bei der Frage, wie sich GTA 6 tatsächlich spielt. Rockstar hat an vielen Systemen herumgebaut und einige Ideen aus Red Dead Redemption 2 genommen. Manche der interessantesten Änderungen blitzen im Video nur für ein paar Sekunden im Interface auf.

Die Polizei verfolgt nicht mehr einfach nur einen blinkenden Punkt auf der Karte

Bei der Polizei hat Rockstar ordentlich umgebaut. Zunächst kehren die sechs Fahndungssterne zurück, nachdem GTA 5 die Skala noch auf fünf gekürzt hatte. Interessanter sind aber die kleinen Symbole für euer Gesicht, eure Kleidung und euer Fahrzeug, die im neuen Gameplay unter der Fahndungsanzeige auftauchen.

Sie gehören zum neuen Heat-System. Laut Rockstar-North-Entwicklungschef Rob Nelson weiß die Polizei nicht automatisch, dass ihr gerade irgendeinen armen Ladenbesitzer um seine Tageseinnahmen erleichtert habt. Erst wenn jemand eure Tat beobachtet und meldet, bekommt die Polizei Informationen über euch. Ein bisschen Red Dead Redemption 2 steckt hier also durchaus drin.

Je nachdem, was Zeugen gesehen haben, kann die Polizei in GTA 6 wissen

  • wie ihr ausseht und welche Kleidung ihr tragt
  • welches Fahrzeug ihr benutzt
  • welche Waffen bei der Tat zu sehen waren
  • in welchem Gebiet ihr zuletzt gesichtet wurdet
  • ob ein bestimmtes gestohlenes Fahrzeug gesucht wird

Für die Flucht bedeutet das mehr als einfach nur drei Straßen weiter Vollgas zu geben. Ihr könnt die Kleidung wechseln, eine auffällige Waffe verschwinden lassen oder das Fahrzeug tauschen. Jason und Lucia verbrennen im Gameplay sogar ihren Fluchtwagen und setzen die Reise anschließend in einem unauffälligen Van fort.

Schafft ihr es aus dem Heat-Gebiet, kann die Suche enden. Setzt ihr euch später wieder in einen Wagen, den die Polizei bereits kennt, holt ihr euch den Ärger unter Umständen direkt zurück. Der alte Fluchtwagen wird damit vom treuen Begleiter schnell zum rollenden Verräter.

Auch Pay & Spray darf wieder mehr tun, als eure Karre nach dem letzten Laternenkontakt hübsch zu machen. Dort könnt ihr Fahrzeuge reparieren und umlackieren, um Heat abzubauen. Gestohlene Autos lassen sich verkaufen und später sogar als eigene Fahrzeuge registrieren. Anfangs habt ihr dafür drei Stellplätze, weitere Garagen könnt ihr dazukaufen.

Selbst der eigentliche Autodiebstahl bekommt mehr Spielzeug. Ältere Wagen knackt ihr mit Werkzeug auf, bei modernen und teuren Fahrzeugen kann dagegen ein elektronischer Key-Cloner nötig sein. Die gute alte eingeschlagene Scheibe funktioniert immer noch, nur kann sie eine Alarmanlage aufwecken. Manche Luxuskarossen schleppen außerdem Tracker mit sich herum und funken euren Standort an die Polizei.

GTA heißt zwar weiterhin Grand Theft Auto, aber Rockstar macht aus dem namensgebenden Autoklau diesmal beinahe eine kleine Wissenschaft.

Jason und Lucia könnt ihr zusammen oder getrennt in GTA 6 spielen

Das Charakterwechselsystem aus GTA 5 kehrt zurück, funktioniert mit Jason und Lucia diesmal aber etwas anders.

Sind beide gemeinsam unterwegs, könnt ihr in manchen Situationen direkt zwischen ihnen wechseln. Eine Verfolgungsjagd zeigt zunächst Jason, der aus dem Wagen auf die Polizei feuert, während Lucia fährt. Wenig später sitzt ihr selbst mit Lucia am Steuer und Jason ballert zusammen mit einem weiteren Begleiter automatisch zurück. Manche Missionen lassen euch frei wechseln, andere drücken euch aus erzählerischen Gründen eine der beiden Figuren in die Hand.

Abseits der Missionen stehen Jason und Lucia ebenfalls nicht einfach irgendwo herum und warten darauf, dass ihr sie auswählt. Im Unterschlupf geht der jeweils andere Charakter seinem eigenen Tagesablauf nach. Ihr könnt jederzeit wechseln oder dafür sorgen, dass sich die beiden wieder zusammentun.

Wie eng Jason und Lucia tatsächlich miteinander werden, liegt teilweise bei euch. Laut Nelson entscheidet ihr mit, ob daraus wirklich ein Paar wird oder eher eine kriminelle Zweckgemeinschaft. Kümmert ihr euch um die Beziehung, werden gemeinsame Interaktionen wie Händchenhalten und Küssen möglich. Lasst ihr es schleifen, kann es zwischen beiden aber auch wieder ordentlich knirschen.

Selbst kleinere Raubzüge müsst ihr nicht immer im Doppelpack angehen. Bei einem Ladenüberfall könnt ihr Lucia beispielsweise mitnehmen oder Jason allein losschicken. Im Gameplay sind außerdem Überfälle auf einen Pfandladen und ein Juweliergeschäft zu sehen.

Noch geiler finde ich das neue Kriminellenprofil. Rockstar baut hier kein plumpes Gut-oder-Böse-System wie die Ehre aus Red Dead Redemption 2. Stattdessen merkt sich GTA 6, was für ein Gangster ihr eigentlich seid. Zieht ihr eure Überfälle kontrolliert durch und lasst Unbeteiligte in Ruhe, kann die Welt anders auf euch reagieren als auf jemanden, der nach jedem schiefgegangenen Raubzug erst einmal halb Vice City auf links dreht.

Kämpfe werden taktischer und das riesige Waffenrad verschwindet

Auch beim Schießen hat sich Rockstar hörbar bei Red Dead Redemption 2 bedient.

Im Gameplay ist eine Zeitlupen-Fähigkeit zu sehen. Nach der Aktivierung läuft das Geschehen langsamer und einzelne Trefferzonen am Körper eines Gegners werden hervorgehoben. Kopftreffer können zusätzlich eine kurze Zeitlupensequenz auslösen. Deckungssystem, Schüsse aus fahrenden Autos und heftigere Treffer an der Umgebung gehören ebenfalls dazu.

Noch spannender finde ich aber, was Rockstar mit eurem Waffenarsenal anstellt. Das berühmte unsichtbare GTA-Lager, aus dem die Spielfigur bei Bedarf ein halbes Militärdepot zaubert, scheint in dieser Form Geschichte zu sein.

Große Waffen wie Gewehre trägt eure Figur sichtbar am Körper. Alles, was ihr gerade nicht braucht, könnt ihr im Kofferraum eines Fahrzeugs oder bei Ammu-Nation lagern. Persönliche Fahrzeuge werden dadurch zu mobilen Waffenschränken.

Und Vice City schaut dabei nicht einfach weg. Lauft ihr mit gezogener Waffe durch die Straßen, können Passanten erschrecken oder aggressiv reagieren. Auch die Bewohner Leonidas sind keine willenlosen Statisten. Manche tragen selbst Waffen und wehren sich. Ein versuchter Autodiebstahl kann also auch damit enden, dass euch der Besitzer statt seines Schlüssels erst einmal Blei anbietet.

Beim Unterdrückungsfeuer müsst ihr Gegner nicht einmal treffen. Schüsse in ihre Nähe können Menschen einschüchtern und euch ein paar Sekunden für die Flucht kaufen. Rockstar gibt euch eine Alternative dazu, jeden missglückten Raubüberfall sofort in einen privaten Krieg gegen die Polizei zu verwandeln.

Auch beim Nahkampf scheint Rockstar tiefer ins Regal gegriffen zu haben. Im Extended Look blockt Lucia Angriffe, greift nach den Armen ihrer Gegnerin und landet während einer Rangelei sogar auf dem Boden. Dort kann sie sich weiter zur Wehr setzen oder einen herumliegenden Absatzschuh zweckentfremden. Vice City scheint also selbst bei der Schuhwahl ein kleines Waffenproblem zu haben.

Fitnessstudio, Essen und jede Menge Freizeitbeschäftigungen in GTA 6

Wer San Andreas vermisst hat, darf schon einmal die Hanteln aus dem Keller holen. Ihr könnt wieder trainieren und euren Körper verändern.

Jason und Lucia besitzen mehrere Charakterwerte, die ihr durch Training verbessern könnt. Im Fitnessstudio werden die Übungen als kleine Minispiele umgesetzt. Wer zu hektisch pumpt, verbrennt seine Ausdauer und bekommt den Satz womöglich nicht mehr sauber zu Ende. Auch Klimmzüge und weitere Geräte stehen bereit.

Essen hinterlässt ebenfalls Spuren. Wer ordentlich zulangt, kann zunehmen, während regelmäßiges Training die Muskeln sichtbar verändert. Getränke und Lebensmittel können eure Werte zeitweise verbessern. Rockstar hat gegenüber Dazed außerdem bestätigt, dass selbst Schlafmangel und längere Eskapaden irgendwann im Gesicht von Jason und Lucia landen können.

Abseits davon scheint Vice City genug Freizeitbeschäftigung für mehrere Urlaube zu bieten. Im Gameplay tauchen Rundstreckenrennen, Straßenrennen, Motocross, Basketball, Fallschirmspringen, Angeln, Tauchen mit Sauerstoffanzeige, Kajaks, Jet-Skis und Airboats auf. Eine Schießanlage gibt es ebenfalls und beim Backyard Wrestling darf offenbar auch ohne Ringseile auf die Mütze gegeben werden.

Vice City steht nicht einfach nur hübsch herum. Die Bewohner unterscheiden sich bei der Körpergröße und der Statur, reagieren auf die Waffen in Jasons Händen und drängen sich im Nachtclub dicht an ihm vorbei. Dazu kann das Wetter jederzeit umschlagen und die Stadt gleich noch einmal anders aussehen lassen.

Nach diesen 27 Minuten wirkt GTA 6 für mich daher nicht einfach wie GTA 5 mit mehr Palmen und hübscherem Asphalt. Rockstar nimmt viele bekannte Systeme auseinander, wirft Ideen aus Red Dead Redemption 2 dazu und gibt euren Handlungen mehr Nachwirkungen. Ein geklautes Auto kann euch später verraten, eine offen getragene Waffe nervös machen und selbst eure Lebensweise hinterlässt irgendwann Spuren an Jason und Lucia.

Und wenn Rockstar bis November noch ein bisschen mehr Leben in Jasons Stimme bekommt, nehme ich das ebenfalls gerne mit. Hat das Gameplay-Video zu GTA 6 euch überzeugt? Was gefällt euch am meisten?

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Quelle: Rockstar via YouTube

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