Kingdom Come Deliverance 2 sieht schon verdammt gut aus, nur eben nicht überall so, wie Daniel Vávra es eigentlich wollte. Bei seiner Vorstellung von Böhmen musste Warhorse Abstriche machen. DLSS 5 kramt nun einen Grafiktraum hervor, der bisher an der Technik hängenblieb.
Kingdom Come Deliverance 2 möchte sein mittelalterliches Böhmen so glaubwürdig wie möglich auf den Bildschirm holen. Bei den Gesichtern seiner Figuren musste Warhorse Studios während der Entwicklung aber Abstriche machen.
Daniel Vávra, Mitgründer von Warhorse Studios und Creative Director des Rollenspiels, hat nun selbst ausprobiert, was mit mehr technischer Hilfe möglich gewesen wäre. Nachdem eine noch nicht offiziell veröffentlichte Version von Nvidias DLSS 5 ins Netz gelangte, ließ er sie kurzerhand über Kingdom Come Deliverance 2 laufen.
Was anschließend auf seinem Bildschirm auftauchte, traf wohl einen alten Wunsch des Teams. Einige Charaktere sehen mit DLSS 5 laut Vávra endlich so aus, wie Warhorse sie ursprünglich darstellen wollte.
Ihr wollt noch einmal zurück nach Böhmen? Diese 7 Gameplay-Mechaniken ziehen mich in Kingdom Come Deliverance 2 in die Spielwelt.
Die Gesichter bereiteten selbst Vávra Kopfzerbrechen
Vávra schreibt auf X, dass ihn manche Gesichter während der Entwicklung von Kingdom Come Deliverance 2 störten. Ihm fehlten stellenweise Details und Plastizität.
Also sprach er die Character Artists darauf an. An deren eigentlichen Modellen lag es aber nicht. Auf den Rechnern der Künstler sahen die Figuren so aus, wie Warhorse sie haben wollte. Laut Vávra verlor sich ein Teil davon erst durch die Beleuchtung im Spiel.
Mit der geleakten Version von DLSS 5 probierte er nun selbst aus, wie weit sich dieser Unterschied auffangen lässt, und veröffentlichte mehrere Vergleichsbilder. An der Geometrie der Modelle oder den eigentlichen Gesichtern schraubt die Technik laut Vávra nicht herum.
Verändert wird vielmehr, wie die Haut, die Haare, die Normal Maps, das Licht und die Schatten auf dem Bildschirm wirken. Dadurch erinnern die Figuren stärker an die ursprünglichen Modelle, mit denen Warhorse während der Entwicklung gearbeitet hat.
Diese Köpfe sind übrigens nicht einfach aus dem digitalen Ton geknetet. Warhorse hat dafür echte Menschen per Photogrammetrie eingescannt und die entstandenen Modelle anschließend von den eigenen Künstlern weiterbearbeiten lassen.
Hüte und Helme machten Warhorse Probleme
Wie sehr Warhorse an technischen Grenzen hing, zeigt Vávra an einem einfachen Beispiel. Hüte, Kapuzen und Helme konnten ihre Schatten auf den Gesichtern der Figuren nicht so werfen, wie er es sich gewünscht hatte. Selbst kleine Dinge wie Schnallen, Schnüre oder Taschen blieben bei der Verschattung außen vor.
Das ging Vávra während der Entwicklung gehörig auf den Zeiger.
In seinem Experiment mit DLSS 5 tauchen solche Feinheiten plötzlich auf. Für Vávra legt die Technik deshalb keinen KI-Anstrich über die Arbeit seiner Künstler. Sie holt eher Details zurück, die in den ursprünglichen Modellen vorhanden waren, im fertigen Spiel aber verloren gingen.
Damit dreht er auch einen häufigen Vorwurf gegen Neural Rendering einmal um. Kritiker befürchten, dass solche Techniken ein Spiel nachträglich verändern und sich zwischen Künstler und fertiges Bild drängen. Vávra sieht bei Kingdom Come Deliverance 2 das Gegenteil.
Die fehlenden Schatten und die flachere Darstellung der Gesichter gehörten laut ihm nie zum gewünschten Look von Warhorse. DLSS 5 entfernt sich aus seiner Sicht also nicht von der ursprünglichen Idee, sondern rückt das fertige Spiel näher an sie heran.
DLSS 5 hat bei Kingdom Come Deliverance 2 noch einen gewaltigen Haken
Vávras Experiment frisst aber ordentlich Leistung.
Die kursierende DLSS-5-Version stammt nicht aus einem offiziellen Update für Kingdom Come Deliverance 2. Die Bibliothek landete vorzeitig in den Dateien von NBA 2K27 und wurde von Moddern anschließend in andere Spiele verpflanzt.
Was Vávra zeigt, ist also ein Versuch mit geleakter Technik und keine fertige Umsetzung von Nvidia oder Warhorse Studios.
Und der Versuch fordert seinen Tribut. Laut Vávra halbiert sich die Bildrate ungefähr, sobald DLSS 5 bei ihm mitmischt. Die Beleuchtung der Charaktere macht dadurch einen gewaltigen Sprung, nur bezahlt sein Rechner dafür derzeit mit reichlich FPS. Für den normalen Spielbetrieb ist das noch ein happiger Tausch.
Warhorse hat bisher keine offizielle DLSS-5-Unterstützung für Kingdom Come Deliverance 2 angekündigt.
Trotzdem verrät Vávras Experiment etwas Spannendes über das fertige Spiel. Was wir auf dem Monitor sehen, ist nicht immer exakt das Bild, das Entwickler und Künstler während der Produktion vor Augen hatten. Bei Kingdom Come Deliverance 2 gingen auf dem Weg ins fertige Böhmen Details verloren, die Vávra nun mit neuer Technik wieder hervorkitzelt.
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Quelle. Vávras via X
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