Fallout 3 und New Vegas sollen als Remaster zurückkehren. Eigentlich ist das eine gute Nachricht. Trotzdem zeigen Bethesdas Pläne ein Problem, das mich bei großen Spielemarken zunehmend nervt.
Fallout gehört wieder oder immer noch zu den wichtigsten Marken von Bethesda. Das Studio hat mehrere Projekte bestätigt, darunter Remaster von Fallout 3 und Fallout: New Vegas. Obsidian arbeitet ebenfalls wieder an der Reihe und selbst Fallout 5 hat zumindest die Vorproduktion erreicht.
Jetzt wir könnten wir Endzeit-Fans rufen: Das goldene Zeitalter ist gekommen. Nach Jahren erhält die postapokalyptische Welt endlich wieder mehr Aufmerksamkeit. Trotzdem lösten die Ankündigungen bei mir nicht nur Vorfreude aus.
Langsam frage ich mich, ob große Publisher ihre bekannten Marken überhaupt noch mit neuen Ideen weiterentwickeln wollen. Oder reicht es ihnen inzwischen, unsere Erinnerungen aufzupolieren und erneut zu verkaufen?
Ihr bekommt nicht genug von postapokalyptischen Welten? Diese Endzeit-Abenteuer solltet ihr kennen.
Bethesda hat gleich mehrere Fallout-Projekte bestätigt
Bethesda bezeichnet die Marke inzwischen als eine der größten Prioritäten des Studios. Fallout 5 bleibt allerdings ein langfristiges Ziel und befindet sich erst in der Vorproduktion. Der Großteil von Bethesda Game Studios arbeitet weiterhin an The Elder Scrolls 6. Wann das nächste nummerierte Fallout erscheint, bleibt noch ein Geheimnis. Selbst ein Release nach 2030 könnte noch optimistisch wirken. Übrigens erwartet ein Ex-Skyrim-Designer erneut ein Amerika-Setting.
Etwas greifbarer wirkt die erneute Zusammenarbeit mit Obsidian Entertainment. Das Studio hinter Fallout: New Vegas entwickelt ein eigenständiges Fallout-Projekt. Einzelheiten zum Umfang, zur Technik oder zum Erscheinungszeitraum fehlen noch. Todd Howard sprach jedoch von gegenseitigem Respekt und erklärte, Bethesda habe schon länger nach einer passenden Gelegenheit für ein gemeinsames Projekt gesucht.
Dazu kommen die Remaster von Fallout 3 und Fallout: New Vegas. Bethesda nennt weder Termine noch Plattformen und verrät bislang nichts über die technische Umsetzung. Daneben erhält Fallout 76 im Jahr 2027 mit Raven Rock eine große Erweiterung, die als Vorgeschichte zu Fallout 3 dienen soll.
Auch außerhalb der eigentlichen Rollenspiele wächst die Marke weiter. Die Produktion der dritten Staffel der Fallout-Serie läuft bereits. Bethesda plant außerdem ein Live-Event zum 30. Jubiläum im Jahr 2027 und weitere Inhalte für Fallout Shelter.
Fallout ist also tatsächlich zurück. Nur ein völlig neues Abenteuer können wir noch lange nicht spielen. Im Video spreche ich ausführlicher darüber, warum mich die Rückkehr von Fallout trotz aller Vorfreude zwiegespalten zurücklässt.
Fallout 3 und New Vegas können moderne Fassungen gebrauchen
Ich möchte die Remaster nicht schlechter darstellen, als sie sind. Beide Spiele haben eine Überarbeitung verdient.
Teil 3 erschien in einer anderen technischen Generation. Steuerung, Benutzeroberfläche, Animationen und Kampfsystem haben ihr Alter nicht vollständig verbergen können. Fallout: New Vegas besitzt bis heute eine leidenschaftliche Fangemeinde, kämpfte aber schon zur Veröffentlichung mit technischen Problemen.
Moderne Fassungen könnten die Spiele leichter zugänglich machen. Schnellere Ladezeiten, eine stabilere Bildrate, überarbeitete Texturen und behutsame Komfortverbesserungen wären willkommen. Vor allem New Vegas könnte von einer technisch sauberen Neuauflage profitieren.
Ich würde daher lügen, wenn ich behauptete, dass mich beide Remaster überhaupt nicht interessieren. Ich werde wahrscheinlich selbst wieder durch Washington, D.C. und die Mojave-Wüste ziehen. Das ändert jedoch nichts an meinem eigentlichen Problem.
Ich kenne diese Welten bereits. Ich kenne ihre Figuren, ihre Fraktionen und viele ihrer Entscheidungen. Eine bessere Beleuchtung macht aus einer vertrauten Geschichte kein neues Abenteuer.
Remaster werden zu oft zum Ersatz für neue Spiele
Remaster sind keine schlechte Erfindung. Sie können Werke bewahren, technische Hürden beseitigen und jüngeren Spielern Klassiker näherbringen. Problematisch wird es für mich erst, wenn Publisher sie als Ersatz für kreative Weiterentwicklung behandeln.
Bekannte Namen lassen sich leichter vermarkten. Die Spieler wissen, was sie erhalten, Trailer wecken sofort Erinnerungen und selbst ein altes Motiv kann Begeisterung auslösen. Ein neues Spiel trägt dagegen immer ein Risiko. Neue Figuren könnten Fans ablehnen. Eine unbekannte Region könnte weniger Interesse erzeugen. Auch Veränderungen am Spielsystem führen schnell zu Diskussionen.
Doch genau dieses Risiko gehört für mich zu kreativen Spielen. Fallout wäre wie geschaffen für neue Geschichten. Die Reihe beschränkt sich nicht auf Washington, Boston oder Las Vegas. Fast jede Region könnte ihre eigene Gesellschaft, ihre eigenen Konflikte und ihre eigene Vorstellung vom Leben nach dem Atomkrieg entwickeln.
Trotzdem kehrt Bethesda zunächst zu zwei Spielen zurück, die längst Kultstatus besitzen. Das wirkt sicher, berechenbar und wirtschaftlich nachvollziehbar. Begeistern kann mich diese Strategie nur begrenzt. Ich habe nichts gegen Remaster. Ich habe etwas dagegen, wenn sie zur kreativsten Idee werden, die einem Publisher für eine große Marke einfällt.
Falls ihr auch gern Mods verfolgt, solltet ihr euch Fallout: Chicago ansehen. Das Projekt führt Spieler in eine neue Region rund um Chicago.
Fallout wurde viel zu lange sich selbst überlassen
Das aktuelle Problem entstand nicht erst mit der Ankündigung der Remaster. Bethesda und Microsoft haben viel zu lange gewartet, bevor sie mehrere Projekte nebenher vorbereitet haben.
Fallout 4 feierte 2025 bereits sein zehnjähriges Jubiläum. Fallout 76 erhielt seit seinem schwierigen Start zahlreiche Erweiterungen und besitzt eine feste Spielgemeinde. Ein neues Einzelspieler-Rollenspiel ersetzte es jedoch nicht.
Natürlich entstehen große Rollenspiele nicht innerhalb weniger Monate. Ich erwarte nicht, dass Bethesda nach dem Erfolg der Fernsehserie plötzlich Fallout 5 aus dem Boden stampft. Das Unternehmen hätte die Vision früher realisieren müssen.
Vielleicht wird ein Fallout 4.5 veröffentlicht, mit einer kleinen Open World und eine Überleitung zu Fallout 5. So etwas hätte ich gern schon Jahren gesehen.
Microsoft besitzt mit Bethesda, Obsidian und InXile mehrere Studios, die Erfahrungen mit Rollenspielen oder sogar persönliche Verbindungen zur Geschichte der Reihe haben. Dass Obsidian nun wieder an der Marke arbeitet, halte ich für die spannendste Nachricht der gesamten Ankündigung.
Ein kleineres Fallout müsste nicht dieselben Ausmaße wie ein Hauptteil erreichen. Eine kompaktere Region, eine stärkere Konzentration auf Entscheidungen und eine Spielzeit von 25 bis 40 Stunden könnten vollkommen ausreichen. Nicht jedes Projekt benötigt eine gigantische Welt und zehn Jahre Entwicklungszeit.
Ich will die Vergangenheit nicht nur noch einmal spielen
Die kommenden Remaster können hervorragend werden. Vielleicht behandeln die Entwickler Fallout 3 und New Vegas mit genau dem Respekt, den beide Spiele verdienen. Vielleicht entdecken dadurch viele Spieler zwei der besten Abenteuer der Reihe zum ersten Mal.
Ich wünsche mir trotzdem mehr. Ich möchte eine unbekannte Region erkunden. Ich möchte neue Fraktionen kennenlernen, deren Absichten ich noch nicht nach wenigen Minuten durchschaue. Ich möchte Entscheidungen treffen, ohne ihre Folgen bereits aus früheren Durchläufen zu kennen.
Diese Welt lebt nicht allein von Vault Boy, Nuka-Cola und Powerrüstungen. Die Reihe lebt von der Frage, welche Gesellschaft Menschen auf den Trümmern der alten Welt errichten würden. Darin steckt noch immer enormes Potenzial. Bethesda hat der Marke endlich wieder eine Zukunft gegeben. Nun muss das Unternehmen beweisen, dass diese Zukunft nicht nur aus der restaurierten Vergangenheit besteht. Falls ihr nach dem Artikel noch Lust auf mehr Gaming habt, schaut gern bei Quest Knight auf YouTube vorbei. Dort teile ich News, Shorts und persönliche Eindrücke zu aktuellen Spielen.
Quelle: PC Gamer
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